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Auf der Heimreise planen wir keine längeren Aufenthalte mehr, wir werden von Kasachstan kommend nach Moskau fahren und dann über Finnland nach Schweden zurückfahren.

Mittwoch, 28. April
Donnerstag, 29. April
Freitag, 30. April
Samstag, 1. Mai

Mittwoch, 28. April

So sind wir also in Russland angekommen. Der Einfachheit halber stellen wir unsere Uhren schon hier auf Moskauer Zeit um - in diesem riesigen Land, das sich über 11 Zeitzonen erstreckt, gilt nur eine einzige Zeit auf dem ganzen Eisenbahnnetz. Das konnte Till im vorangegangenen Jahr auf einer Bahnreise von Beijing nach Moskau deutlich erfahren. Auf dem russischen Grenzbahnhof im Fernen Osten Sibiriens war es am Fahrkartenschalter 7 Uhr morgens, während die Uhr im Bahnhofspostamt 14 Uhr zeigte... Das kann man wohl "Trainlag" nennen!
So kommt es, dass wir gerade den kasachischen Grenzbahnhof um 17:15 Uhr verlassen haben und das russische Troicsk 25 minuter senare, und gleichzeitig doch 2 Stunden und 35 Minuten früher um 14:40 erreichen. Umgehend beginnt die Grenzkontrolle, und der Zöllner verlangt irgendein Deklarationsformular von uns, vermutlich von der Sorte, die wir im Überfluss bei allen Zentralasiatischen Grenzübergängen gehabt haben. Für Russland haben wir aber kein solches Formular im Voraus erhalten, und wir bitten den Zöllner um eines für jeden. Er scheint uns nicht richtig zu verstehen und holt schließlich ein Blatt, auf dem Zollbestimmungen in mehreren Sprachen stehen, auch auf Englisch. Was dort steht, hätten wir ungefähr auch schon so erraten können, aber jetzt haben wir immer noch keine Zollformulare und zucken mit den Axeln.
Der Zöllner geht mit den Pässen und kommt nach einiger Zeit mit ihnen wieder und gibt sie uns mit den Einreisestempeln zurück. Es ging also auch ohne Zollformular...
Währenddessen ist die kasachische Diesellok gegen eine russische Ellok gewechselt worden, aber jetzt sind 3 kV Gleichspannung in der Oberleitung. Die Reise geht weiter in Richtung Tscheljabinsk, der ersten grösseren Stadt nach der Grenze. Dort werden unserem Zug, der nach russischen Masstäben ziemlich kurz war, einige russische Inlandswagen angehängt, so dass der Zug jetzt wieder eine würdige Länge von etwa 15 Wagen hat. Der russische Geschäftsmann steigt aus, uns es scheint, daß russische Inlandsreisende nur in den angehängten Wagen gebucht sind. Wir haben für den Rest der Reise das Abteil für uns alleine.
In Jekaterinburg, das zur Sowjetzeit Swerdlowsk hieß, kreuzen wir die Transsibirische Eisenbahn, auf der die Züge von Wladivostok, Beijing, Ulan-Bator, Irkutsk und Nowosibirsk nach Moskau fahren. Wir setzen die Reise jedoch nicht in Richtung Moskau fort, sondern unser Zug fährt auf einer anderen Strecke, die fast auf der Luftlinie nach St. Petersburg führt und weit nördlich an Moskau vorbeiführt.
Jekaterinburg liegt im Uralgebirge, das die Grenze zwischen Europa und Asien bildet. An der Transsibirischen Eisenbahn steht ein grosser Obelisk am Kilometerstein 1777 (von Moskau gerechnet), der die Grenze markiert. Wir wissen nicht, ob wir auch diesen Obelisken passieren werden, oder ob wir schon vorher von der Transsibirischen Eisenbahn abzweigen. Wir halten genau Ausschau, aber es ist schon dunkel, und wir bekommen nichts zu sehen. Till hatte im vorangegangenen Herbst das gleiche Pech, als er im Schnellzug "Vostok" Beijing - Moskva fuhr. Da kam er mit Sicherheit an diesem berühmten Obelisken vorbei, aber es war auch da schon dunkel, und nichts war zu erkennen...
Jedenfalls, um punkt Mitternacht sind wir nach genau 4 Wochen in Asien wieder in Europa und auf dem direkten Weg nach Hause.

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Donnerstag, 29. April

Nachdem wir früh morgens Perm passiert haben, erreichen wir am Vormittag die Stadt Balesino, wo wir wieder die Lok wechseln - denn ab hier sind es wieder 25 kV/50 Hz wie in Kasachstan. In der Sowjetunion wurden frühe Elektrifizierungen mit 3 kV Gleichspannung ausgeführt, unter anderem um Moskau, St. Petersburg, Jekaterinburg und Nowosibirsk, sowie in Lettland, in der Ukraine und im Kaukasus. Später ging man zu 25 kV/50 Hz über. Auf der Strecke von Ostsibirien nahc Moskau passiert man dreimal die Systemgrenze!
Die Reise geht weiter gen Westen, immer in gemächlichem Tempo von 80 bis 100 km/h. Die russischen Eisenbahnen werden vom schweren Güterverkehr dominiert, uns schnelle Expreßzüge würden die Streckenkapazität beträchtlich senken.
Im selben Wagen wie wir reist auch ein pensionierter russischer Militärangehöriger. Er war zu Besuch bei Verwandten in Astana und ist auf dem Heimweg zurück nach St. Petersburg. Er ist zimlich redselig und erzählt von den umfangreichen Privilegien, zum Beispiel enorme Pensionen, die sich die Politiker gönnen, während die normalen Renten zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel sind. Das sind Beschwerden, wie man sie auch von zu Hause kennt, aber wenn man bedenkt, wie niedrig normale russische Renten sind, bekommt das Ganze schon eine andere Dimension. Es wird ein wenig von allerlei Rabatten abgemildert, die Rentner auf z.B. öffentliche Verkehrsmittel und einiges Anderes bekommen, aber trotzdem... und er gehört sicher bei weitem nicht zu den am schlechtesten gestellten.

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Freitag, 30. April

Das war die dritte Nacht in diesem Zug, und die 23. und letzte, die wir auf unserer Reise in einem Nachtzug verbracht haben. Heute werden wir in St Petersburg ankommen.
Aber vorher ist noch einmal ein Lokwechsel angesagt, am frühen Morgen in Babaewo, etwa 400 km vor St. Petersburg. Mit 3 kV Gleichspannung rollen wir weiter und erreichen schließlich die Vororte von St. Petersburg, wo wir erst einmal auf einer kleinen S-Bahn-Station zum Halten kommen. Die Station sieht neu aus und scheint noch nicht einmal eröffnet worden zu sein. Auch die Bahnstrecke wirkt neu gebaut oder zumindest grundsaniert - das hat wahrscheinlich mit dem neu eröffneten Ladotschski-Bahnhof i St. Petersburg, der außer von unserem Zug vor allem auch von den Zügen nach Helsinki benutzt wird. Der alte Kopfbahnhof Finlandskaja Woksal der Strecke nach Viborg und weiter nach Finnland wird heute nur noch von Regionalzügen benutzt.
Es scheint, als ob die Spannung in der Oberleitung zeitweise verschwindet, aber nach einer knappen Stunde geht es weiter. Mit trotzdem nur mäßiger Verspätung erreichen wir den nagelneuen Bahnhof Ladotschski Woksal.
Wir haben gut vier Stunden Zeit, zu wenig für St. Petersburg, aber zu viel um nur am Bahnhof herumzusitzen. Wir sind beeindruckt, dass der Herr an der Gepäckaufbewahrung fließend Englisch spricht. Dann nehmen wir die erstbeste Straßenbahn und fahren etwas auf gut Glück herum. Wieder zurück am Ladotschski-Bahnhof haben wir immer noch zwei Stunden Zeit, und Till nutzt die Gelegenheit, die U-Bahn auszuprobieren und sich einige der Kopfbahnhöfe der Stadt anzuschauen. Die Zeit reicht für den Baltischen Bahnhof, den Vitebskij-Bahnhof, von dem Züge in Richtung Weißrußland abfahren, und den Bahnhof der Oktobereisenbahn mit der Strecke nach Moskau. Dort sieht Till, wie der Schnellzug "Aurora" nach Moskau zur Abfahrt bereitgestelt wird. Das ist einer der schnellsten russischen Züge, bespannt mit einer Elloks der Baureihe ChS6, die bis zu 160 km/h schnell fahren darf. Noch schneller sind die 200 km/h schnellen Triebzüge der Baureihe ER 200, im vorangegangenen Herbst hat Till einen solchen in Moskau gesehen.
Es ist Zeit, zum Ladotschski-Bahnhof zurückzukehren. Bengt hat in der Zwischenzeit tatsächlich die Botin des Reisebüros getroffen, die mit unseren Fahrkarten nach Helsinki gekommen ist. Das hat David Berghoff aus Almaty organisiert. Wir besteigen den aus finnischen Schnellzugwagen gebildeten "Sibelius" nach Helsinki.
Auf dieser Strecke funktionieren die Grenzkontrollen bedeutend angenehmer und unkomplizierter, als es sonst in Russland überwiegend üblich ist. Kurz nach der Abfahrt sammelt der finnische Zugführer die Pässe ein, und am einzigen Halt vor der Grenze in Viborg steigen die russischen Zöllner zu. die Kontrolle geschieht einfach im fahrenden Zug, und wir bekommen unsere Ausreisestempel mit einer hübschen Dampflok. Der Zug hat nur noch einen kurzen Betriebshalt am Grenzbahnhof, wo die Zöllner aussteigen. Dann hat uns die Europäische Union wieder, und wir erreichen das finnische Vainikkala. Während der Sowjetzeit war das der einzige Ort auf der ganzen Welt, wo man sowjetische Elloks legal fotografieren konnte, da der Lokwechsel auf der finnischen Seite geschieht. Bis die Grenzkontrolle beendet ist, müssen wir bei unserem Gepäck bleiben. Da ist die Lok schon gewechselt, und wir fahren weiter in Richtung Helsinki, ohne noch Gelegenheit zu einem Abschiedsfoto der russischen Lok zu haben.
In Riihimäki steigen wir um in Richtung Toijala, von wo wir schließlich nach Turku (Åbo) weiterfahren, wo wir spät am Abend ankommen. Olli Savela, ein Freund von Bengt, erwartet uns am Bahnhof und macht das Foto, das auf der Startseite www.iran-by-train.net zu sehen ist.
Wir gehen zu einem Hotel, das wir gebucht haben, und Olli und wir unterhalten uns noch bis spät in die Nacht über die Reise, die jetzt bald zu Ende geht.

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Samstag, 1. Mai

Am nächsten Morgen fahren wir zum Hafen und nehmen die riesige Viking Line-Fähre nach Stockholm. Die 11 Stunden lange Überfahrt über die finnsische, aber schwedischsprachige Insel Åland und durch die Stockholmer Schären wird eine geruhsame Abrundung dieser Reise. 5 Wochen waren wir unterwegs, haben ungehähr 20 000 km zurückgelegt und jeder etwa 2200 € ausgegeben. Wir haben 14 Länder durchquert, viele nette Menschen getroffen, eine Menge interessante Eisenbahnen gesehen, wenn auch nicht so viele "konventionelle" Touristen-Sehenswürdigkeiten, aber trotzdem ein klein Wenig an mach fremder Kultur geschnuppert. Wir haben eine Reihe Kontakte geknüpft und werden Fotos an Leute schicken, die wir in Ungarn, in der Türkei, im Iran und in Usbekistan getroffen haben. Und im Grossen und Ganzen hatten wir nirgendwo wirklich ernsthafte Probleme.
Im Stadsgårdshafen in Stockholm wartet Gun, Bengts Lebensgefährtin, auf uns. Wir fahren mit Bus und U-Bahn zum Hauptbahnhof, Gun und Bengt fahren heim nach Kista am nördlichen Stadtrand von Stockholm, und Till nimmt den Zug heim nach Västerås, etwa 100 km westlich.

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Letztes Update: 6. März 2005