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Dienstag, 20. April
Mittwoch, 21. April
Donnerstag, 22. April
Freitag, 23. April
Samstag, 24. April
Sonntag, 25. April
Montag, 26. April
Dienstag, 27. April
Mittwoch, 28. April

Dienstag, 20. April

Nach der peniblen Ausreisekontrolle geht die Einreise nach Kasachstan recht unproblematisch. Der Passkontrolleur ist etwas irritiert darüber, dass unsere Visa für Kasachstan schon seit drei Wochen gelten und fragt, ob wir schon in Kasachstan gewesen sind - eine Frage, die er sich angesichts nicht vorhandener Kasachstan-Stempel in unseren Pässen leicht selber beantworten können sollte. Dann scheint er sich nicht vorstellen zu können, dass wir wirklich in Kasachstan aussteigen und nicht schnurstracks nach Russland durchfahren wollen, denn er fragt ständig "Transit?". Aber allmählich begreift er, und wir schlummern weiter, während der Zug westwärts durch Kasachstan fährt.

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Mittwoch, 21. April

Am Morgen ist Lokwechsel zu einer Diesellok angesagt. Dort, wo die Elektrifizierung endet, befindet sich auch die Verzweigung nach Almaty. Dort wollen wir schließlich hin, aber zuerst fahren wir noch etwas weiter nach Westen auf der Strecke Richtung Moskau, damit wir unser Luxusabteil noch etwas länger genießen können. Wir steigen schließlich am späten Vormittag in Qyzylorda aus. Das ist etwa 300 km vom Kosmodrom Baikonur entfernt, aber zur Zeit scheint kein Start anzustehen.
Wir brauchen kasachisches Bargeld, denn wir haben nur eine kleine Summe im Zug gewechselt. In der Stadt findet Till einen funktionierenden Geldautomat, den ersten seit Istanbul, und hebt 10 000 Tenge ab, etwa 60 €. Die Zahl der Nullen, mit denen wir jonglieren müssen, nimmt seit der Türkei stetig ab. Hier gibt es sogar Scheine, die so viel wert sind, dass die Mühe gerechtfertigt wäre, sich nach einem einzigen heruntergefallenen zu bücken.
Am Fahrkartenschalter zeigt es sich, dass wir die Uhr falsch umgestellt haben. Ost-Kasachstan liegt im Vergleich zu Usbekistan nicht nur eine Zeitzone voraus, sondern hat außerdem jetzt auch Sommerzeit, was Usbekistan nicht hat. Jetzt sind es weniger als 15 Minuten bis zur Abfahrt, und wir haben noch keine Fahrkarten! Am Schalter ist eine ziemliche Schlange, und als Till endlich an der Reihe ist, sagt die Fahrkartenverkäuferin "Noch 5 Minuten bis zur Abfahrt, jetzt schließe ich!" und zieht den Rollo herunter.
Wir steigen trotzdem in den nächstbesten Wagen ein und fragen den Provodniken (Wagenbetreuer) nach freien Betten. Wir sind in einem "Platskartny"-Wagen, gelandet, einem ziemlich engen Typ Liegewagen ohne Abteile, in dem es zu beiden Seiten des Mittelgangs Pritschen gibt. Er zockt uns ziemlich ab und nimmt den doppelten Preis verglichen mit dem Schalter - und schon ist das meiste unseres Bargeldes in kasachischen Tenge weg. Nach einer Weile bekommen wir Plätze in einem Schlafwagen angewiesen. Das Vierbettabteil ist zwar voll, aber am nächsten Halt steigen einige aus, und der Provodnik gibt dem verbleibenden Fahrgast einen anderen Platz. So bekommen wir sogar ein Abteil für uns alleine, aber jetzt will dieser Provodnik auch bezahlt werden. Wir versuchen zu erklären, dass wir schon bei seinem Kollegen bezahlt haben, aber er meint nur "Das ist mein Wagen!". Er sitzt am längeren Hebel und ist sich dessen bewusst. Es gelingt uns, in etwas auf 70 US-$ herunterzuhandeln. Als kleine Rache bekommt er alles in 1-Dollar-Scheinen...
Wir haben zwischenzeitlich gelernt, was es bedeutet, wenn der Provodnik sich mit dem Zeigefinger an den Hals tippt, er will wissen, ob wir Wodka wünschen. Der ist in Zügen verboten, wird aber viel getrunken.

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Donnerstag, 22. April

Ein näherer Blick auf die Landkarte verrät, daß wir in der Nacht in Kirgisien waren, ohne es zu merken. Etwa 15 bis 20 km der Strecke verlaufen durch dieses Land, ohne daß es eine Paßkontrolle gegeben hätte. Vermutlich gibt es eine Kontrolle für die ein- und aussteigenden Reisenden auf dem einzigen Bahnhof in Kirgisien dieser Strecke.
Viele Grenzen in Zentralasien verlaufen kreuz und quer über Straßen und Eisenbahnen und zwingen Reisende zwischen verschiedenen Teilen eines Landes, im Transit durch ein Nachbarland zu fahren. Unter der Sowjetzeit spielten die Grenzen der Republiken keine so große Rolle, aber heute sind es Staatsgrenzen von Ländern mit komplizierten Visabestimmungen. Auch wenn dies vor Ort oft pragmatisch gelöst wird, so ist es doch eine Belastung für die wirtschaftliche Entwicklung der Länder in der Region. Es sind mancherorts neue Straßen und Eisenbahnen gebaut worden oder werden gebaut. Kirgisien hat nicht weniger als 6 Bahnstrecken, die untereinander keine Verbindung im Land haben, sondern nur über Usbekistan oder Kasachstan.
Wie man aus der Zugnummer ablesen kann, gehört unser Zug zur niedrigsten Kategorie kasachischer Fernzüge. Er hält oft und lang. Der fliegende Handel an Bord übertrifft alles, was wir in Turkmenistan und Usbekistan erlebt haben. Außer Lebensmitteln gibt es alles von Spielzeugüber Porzellan, Lampen, Zeitungen und vieles mehr. Einmal zählen wir 25 Verkäufer in 10 Minuten, die an unserem Abteil vorbeikommen. Wie wir später hören, ist es vor allem in den entlegenen westlichen Teilen des Landes umgekehrt: Der Zug versorgt die Dörfer als rollender Laden. Das sehen wir jedoch nicht hier.
Je näher wir der Metropole Almaty kommen, desto höher türmen sich die Berge östlich der Bahnlinie auf, die Bergkette bildet hier die Grenze zu Kirgisien. Die Strecke in die Haupstadt Bishkek zweigt in Lugovoj ab, etwa 400 km vor Almaty.
Wir werden von einem schnelleren Zug überholt, der aus Astana kommt, der neuen Hauptstadt des Landes, dem früheren Akmola oder Tselinograd. Wir hätten umsteigen und früher in Alamty ankommen können, aber so bekommen wir längeres Bahnfahren für unser Geld. Auf einem Bahnhof etwa 30 km vor Almaty halten wir ziemlich lange, bis wir jemanden rufen hören "Der spanische Zug!" Da rauscht eine in Spanien gebaute Talgo-Garnitur vorbei, der neueste und teuerste Zug der Kasachischen Eisenbahn, der seit etwa einem Jahr zwischen Astana und Almaty pendelt. Der Zug ist ein recht futuristischer Einschlag zwischen dem ganzen Rollmaterial aus der Sowjetzeit.
Die Strecke, die wir gefahren sind, ist etwa 1180 km lang, und es hat geschlagene 29 Stunden gedauert. Wir wissen nicht, wann wir planmäßig ankommen sollen, aber glauben nach den vielen langen Aufenthalten, daß wir stark verspätet sein müssen - aber wir sind pünktlich. Der Zug hält zuerst in Almaty I, einem großen Bahnhof und Knotenpunkt etwa 10 km von der Stadt, und endet schließlich in Almaty II, einem kleineren Bahnhof in der Nähe des Zentrums.
Wir rufen David Berghoff an, den deutschen Zentralasien-Spezialisten, der unsere Turkmenistan-Reise organisiert hat und der in Almaty wohnt. Er empfiehlt uns ein Mittelklassehotel, in dem wir zwei Nächte buchen.

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Freitag, 23. April

Den folgenden Tag beginnen wir mit etwas Bürokratie, denn wir müssen uns spätestens 72 Stunden nach der Einreise registrieren lassen. Das Reiseunternehmen Central Asia Travel, das unsere Einladungen ausgestellt hat, erledigt das für uns. So brauchen wir uns nicht bei der Polizei anzustellen, und das ist uns die moderate Extragebühr wert. Wir haben ohnehin keine Wahl, denn man muß sich wenn möglich über das Reiseunternehmen registrieren lassen, das die Einladungen ausgestellt hat.
Wir kaufen unsere Fahrkarten nach Astana für den folgenden Tag. Für den spanischen Talgo bekommen wir keine Plätze, also begnügen wir uns mit einem konventionellen Zug. Erst später finden wir heraus, dass der Talgo nicht täglich verkehrt, wie uns fälschlich gesagt wurde - es gibt zur Zeit nur eine Garnitur und zwei Zugpaare pro Woche, und der Zug fährt nicht am folgenden Tag.
Am späten Nachmittag gehen wir zur Bahnlinie und suchen einen guten Fotostandpunkt, um den Interessantes abzulichten. Noch glauben wir fälschlich, der Talgo führe an diesem Nachmittag. Etwa eine Viertelstunde Fußmarsch vom Bahnhof finden wir einen geeigneten Platz und warten dort. Wir sehen einen recht interessanten Turmtriebwagen, der auf ein Nebengleis gefahren wird, um einem ankommenden Fernzug Platz zu machen. Zug Nr. 10 aus Astana fährt pünktlich in den Bahnhof ein. Der Zug ist gemischt aus Wagen im UIC-Profil und Wagen im breiteren Profil der früheren Sowjetstaaten zusammengesetzt. Nachdem der Kurswagen von Astana nach Berlin eingestellt worden zu sein scheint, hat die kasachische Bahn keine Verbindungen mehr nach Europa außerhalb der früheren Sowjetunion. Die UIC-Wagen fahren wohl nur noch im Inlandsverkehr und nach Rußland. (Anmerkung: Der Kurswagen Astana - Berlin verkehrt inzwischen wieder).
Der Turmtriebwagen kehrt nach einer Weile auf das Hauptgleis zurück und blockiert die Einfahrt in den Bahnhof. Wir ahnen, dass wir den Talgo-Zug wohl heute nicht mehr sehen werden, und gehen zurück.
Wir treffen David Berghoff in der Stadt. Er lebt schon seit mehreren Jahren in Zentralasien, zuerst war er in Turkmenistan, wo er aber nicht mehr bleiben durfte. Jetzt wohnt er schon seit gut zwei Jahren in Almaty und betreibt dort seinReiseunternehmen "Stantours". Er hat auch unsere Fahrkarten von Astana nach St. Petersburg gekauft und durch einen Partner Fahrkarten von St. Petersburg nach Helsinki reserviert, die uns in St. Petersburg geliefert werden sollen. Als kleines Trostpflaster für die Depotbesichtigung, die in Ashgabat in Turkmenistan nicht zustande kam, bekommen wir die Fahrkarten zum Selbstkostenpreis, und er lädt uns auch zu einem Bier und einem Orangensaft ein - und das, obwohl das Ganze außerhalb seiner Kontrolle war. Danke, David!

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Samstag, 24. April

Nach unserer zweiten Nacht in Almaty ist es Zeit, in die Hauptstadt Astana weiterzureisen. Der Zug fährt erst am späten Vormittag, aber wir gehen trotzdem früh zum Bahnhof, denn diesen Morgen wollen wir endlich den Talgo sehen, wenn er aus Astana ankommt! In der Nähe des Bahnhofs, wo die Bahnlinie in einer Kurve in die Stadt hineinführt, stellen wir uns am Bahndamm auf, und nach einer Weile hören wir tatsächlich Dieselbrummen, das den Talgo ankündigt - die übrigen Züge sind mit Elloks bespannt, nur der Talgo wird mit Diesel bespannt, bis die neuen chinesischen Elloks an die kasachische Eisenbahn geliefert sind. Diese kommen vom selben Hersteller wie die Lok, die wir in Usbekistan gesehen haben, sind aber von einem anderen Typ. Die vorhandenen Elloks haben eine Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 100 km/h, daher geht es zur Zeit mit Diesel schneller.
Das Licht ist leider miserabel zum Fotografieren, aber um diese Tageszeit gibt es in der Nähe der Stadt keine gute Stelle. Zurück am Bahnsteig lässt uns eine Zugbegleiterin in ihrer ansprechenden blauen Uniform einen Blick in eines der modernen, funktionellen Schlafwagenabteile werfen. Als wir weiter fotografieren, kommt ein übereifriger Polizist und nimmt uns mit zum Dienstraum des Fahrdienstleiters. Wir erklären so gut es geht, dass wir eisenbahninteressierte Touristen sind und zeigen einige der Bilder, die wir gemacht haben. Alle im Raum (außer uns) sehen etwas hilflos aus, und anscheinend kommt der Fahrdienstleiter zu dem Schluss, dass wir harmlos sind. Wir gehen mit dem Polizisten wieder hinaus und fotografieren fleißig weiter, während er noch neben uns steht. Sieg!
;-)
Jetzt wird es Zeit, unser Gepäck aus dem Hotel zu holen. Auf dem Weg treffen wir unter anderem eine ehemalige Berliner Tatra-Straßenbahn mit knallbunter Mirinda-Ganzreklame. Was uns in der Stadt auch auffällt, ist Dampf, der mancherorts aus Rissen im Asphalt aufsteigt, das scheinen Lecks im Fernvärmenetz zu sein oder Ähnliches. Es ist kälter geworden.
Zurück am Bahnhof warten wir, bis wir einsteigen dürfen. Wir sehen uns einen Raum "The International Hall" an, der auf Englisch und Chinesisch gekennzeichnet ist. Das muß der Fahrkartenschalter für Reisende des zweimal wöchentlich verkehrenden Zuges nach Urumchi in Nordwest-China sein. Leider haben wir diesen Zug nicht zu Gesicht bekommen. Diese Verbindung, die erst 1992 eröffnet wurde, war ein Bindeglied in unserem ursprünglichen Reiseplan. Wir wollten von Europa nach China fahren, ohne über Russland zu fahren, und auf der klassischen transsibirischen Route nach Hause. Als wir beschlossen, die Reise zu verkürzen und ein anderes Mal nach China zu reisen, wollten wir zumindest bis an die chinesische Grenze fahren. Allerdings ist das ein Sperrgebiet, und David Berghoff hat uns erzählt, wie er dort einmal festgenommen und vor Gericht gestellt worden ist, nur weil er in diesem Gebiet war!
Wir steigen in unseren Zug, in dem wir ein Zweibettabteil gebucht haben. Es ist genauso stilvoll wie in dem Schlafwagen, den wir von Taschkent genommen haben. Es gibt ein feines Teeservice und schöne Bettbezüge, ärgerlich sind nur die schmutzigen Fenster, die sich zjm Fotografieren nicht öffnen lassen... Aber während des nächsten Aufenthalts auf dem großen Bahnhof Almaty I sorgen wir selbst für freien Durchblick.
Wir folgen zuerst in Richtung Westen der Strecke, auf der wir gekommen sind, bis wir das Gleisdreieck erreichen, auf dem die Strecke nach Astana nach Norden abzweigt. Während eines Haltes auf freier Strecke springt ein Mann aus dem Zug und pflückt einige der schönen Blumen, die am Bahndamm wachsen. Es gilt wohl, sich ein Extraeinkommen zu sichern.
Die Strecke ist in recht gutem Zustand, es ist ja auch die wichtigste für den kasachischen Inlandsverkehr und diejenige, die vom besten und teuersten Prestigezug befahren wird. Wir fahren nicht auf dem direkten Weg, sondern wechseln am Nachmittag in der Stadt Shu westlich des Gleisdreiecks die Fahrtrichtung. Dort gibt es wieder umfangreichen Handel auf dem Bahnsteig, während es kaum Händler im Zug gibt - anscheinend gibt es diese in erster Linie in den langsameren Zügen, aber unser Zug gehört zur schnelleren Kategorie und hält nur in wenigen größeren Städten.

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Sonntag, 25. April

Nach einer ruhigen Nacht nähern wir uns der kasachischen Hauptstadt. Das Wetter hat sich wieder verschlechtert, es regnet in Strömen und ist ziemlich kalt geworden.
Die Hauptstadt ist im Laufe ihrer Geschichte dreimal umbenannt worden. Sie wurde in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts als "Akmola" gegründet, "Weißer Überfluss" auf Kasachisch - das hat seinen Ursprung darin, dass die Gegend für ihre Milchprodukte und sein Brot bekannt war. Unter Kruschtschow wurde die Stadt in "Tselinograd" umbenannt - "Die Stadt des unberührten Landes" - weil sie Zentrum für ein Projekt zur Entwicklung unerschlossener Regionen wurde. Nach der Auflösung der Sowjetunion bekam die Stadt ihren alten Namen Akmola zurück, und Präsident Naserbajew beschloss, die Stadt anstelle von Almaty zur Hauptstadt zu machen. Das wurde under anderem mit dem Erdbebenrisiko in Almaty begründet, aber von Kritikern verspottet. Diese glaubten, es werde Naserbajews politischer Tod werden, eine Provinzstadt mit extremem Klima zur Hauptstadt zu machen - sie übersetzten Akmola mit "Weißes Grab". Die Stadt wurde schließlich in "Astana" umbenannt - das bedeutet nichts anderes als "Hauptstadt" auf Kasachisch.
Am Bahnhof sehen wir zahlreiche gebrauchte Stadtbusse aus Westeuropa - die allermeisten Busse außer den Trolleybussen scheinen solche zu sein. Bengt erblickt mehrere Busse des Regionalverkehrs Groß-Stockholm und fühlt sich gleich wie zu Hause. Wir nehmen ein Taxi in die Innenstadt und finden ein Internetcafé. Da das Wetter nicht zu viel anderem einlädt, verbringen wir einige Stunden dort, schreiben E-Mails und brennen Fotos auf CD. Allein die Arbeit, die Dateien zur weiteren Bearbeitung nach unserem Schema umzubenennen, nimmt viele Stunden in Anspruch...
Am späten Nachmittag suchen wir ein Hotel. Der Reiseführer ist vier Jahre alt, das ist für diese Weltgegend eine ganze Menge. Es ist noch kälter geworden, der Regen ist in klatschnassen Schnee übergegangen, und es stürmt kräftig. Natürlich haben wir auf dem Weg in das Viertel, in dem es laut der kleinen Karte des Reiseführers am meisten Hotels gibt, auch noch Gegenwind, und wir gehen in das erstbeste Hotel.
Es ist das Hotel "Europa Palast", direkt neben dem Parlament. Es sieht sehr fein und luxuriös aus, mit einer prachtvollen Bar im Erdgeschoß und nur wenigen Zimmern im ersten Stock. Es ist nach kasachischen Maßstäben nicht gerade billig, aber kostet auch kein Vermögen. Wir quartieren uns für zwei Nächte ein, die verbleibende Zeit bis zur Abfahrt unseres Zuges nach St. Petersburg.
Die Zimmer haben einen eigenartigen Grundriss. Es sind vier Zweibettzimmer, die um einen kleinen Speiseraum gruppiert sind, in dem auch unser Abendessen serviert wird. Es scheint ein Gästehaus der Regierung zu sein, das als Hotel verwendet wird, wenn keine offiziellen Delegationen zu Besuch sind.

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Montag, 26. April

Während der Nacht ist es aufgeklart, und jetzt sind es sieben Minusgrade - das kälteste, was wir während unserer Reise erlebt haben. Das Wetter ist nun einladender, aber die Stadt ist jetzt von einer Eisschicht überzogen, und man muss aufpassen, nicht auszurutschen. Der Winterdienst ist mit altertümlichen Methoden an der Arbeit. Wir stehen früh auf, um den Talgo bei der Ankunft aus Almaty zu sehen. Wir hätten ja einen Tag länger in Almaty bleiben und mitfahren können, aber hinterher ist man immer schlauer...
Der Bahnhof ist neu gebaut und sehr modern. Man merkt, dass die Stadt erst vor wenigen Jahren Hauptstadt geworden ist. Es gibt auch eine große Fußgängerbrücke über die Gleise, aber die meisten Reisenden laufen trotz der hohen Bahnsteigkanten über die Gleise. Als der Talgo aus Almaty einrollt, hält er am Hausbahnsteig. Uns gelingen einige bessere Bilder als in Almaty.
Während der Talgo noch am Hausbahnsteig steht, kommt ein vollbesetzter Vorortzug auf dem Bahnsteig dahinter an. Während einige Reisende an den Bahnsteigenden um den im Weg stehenden Zug herumgehen, warten die meisten, bis er ins Betriebswerk rangiert wird. Als das geschieht, wälzt sich eine regelrechte Flutwelle von Reisenden die Bahnsteigkanten herunter und wieder hinauf. Das ist in der Tat ein ziemlich beeindruckender Anblick.
Wir schauen uns ein wenig im Betriebswerk um, das direkt neben dem Personenbahnhof liegt. Es ist fast menschenleer, und das Tor steht offen. Einige Züge stehen zur Reinigung im Werk, aber wir sehen keine außergewöhnlichen Fahrzeuge.
Wir fahren schließlich ins Zentrum zurück und machen einen kleinen Stadtrundgang. Es ist vieles neu gebaut, und es gibt eine Reihe repräsentativer Regierungsgebäude. Alles in allem sieht die Stadt recht künstlich aus, aber es ist nicht so extrem wie im turkmenischen Aschgabat mit seinen grotesk überdimensionalen Monumenten. Wir schauen auch beim Parlament vorbei und sprechen einen Abgeordneten an, der gerade vorbeikommt. Er spricht recht gut Englisch, und wir fragen ihn, ob man das Parlament von innen anschauen könne. Wir erklären ihm, dass in Schweden alle Bürger das Recht hätten, ihre Volksvertreter bei der Ausübung ihres Amtes zu besuchen. Er ist sehr höflich, erklärt uns aber, dass man das kasachische Parlament nicht besichtigen könne - "Wir haben ein anderes System", sagt er, das kann man wohl sagen. Auch wenn Kasachstan das wahrscheinlich liberalste der zentralasiatischen Länder ist, so ist es doch weit von einer Demokratie entfernt.

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Dienstag, 27. Apri

Am letzten Tag, bevor wir unsere Heimreise antreten, machen wir keine grösseren Aktivitäten mehr. Wir haben den ganzen Tag Zeit, weil unser Zug erst nach St. Petersburg erst gegen Mitternacht abfährt.
Wir fahren mit Stadtbussen ein wenig ohne bestimmtes Ziel herum, um die Stadtviertel außerhalb des fein herausgeputzten Zentrums zu sehen. Das meiste sind relativ neu gebaute, graue Betonwohnblocks. Wir bekommen Gelegenheit, mit einem der wenigen neu gebauten Busse aus koreanischer Produktion zu fahren.
Till erblickt einen blauen Bahnbus aus der Zeit, als die Deutsche Bundesbahn noch in eigener Regie Busverkehr betrieb. Das alte DB-Logo prangt noch unberührt neben dem Zielschild "Erbach (Odenwald)"... Erbach ist eine deutsche Kleinstadt etwa 150 Kilometer nördlich von Tills Geburtsstadt Stuttgart, aber es muß als unwahrscheinlich erachtet werden, dass der Bus im Moment wirklich dorthin unterwegs ist ;-) Till wir diese Beobachtung später per E-Mail dem Stadtrat von Erbach mitteilen, aber nie einen Kommentar erhalten...
Wir gehen in einem Einkaufszentrum mit einem Warenangebot wie zu Hause einkaufen. Es gibt viele Importwaren zu entsprechenden Preisen, aber Bengt sucht vergebens nach seinem geliebten Käse aus der schwedischen Provinz Västerbotten.
Wir gehen recht früh zum Bahnhof, ehe der Zug nach St. Petersburg abfährt. Wir haben einen alten Bus des Regionalverkehrs Groß-Stockholm dorthin genommen, so wird Bengt später sagen können, seine Heimreise mit diesem Verkehrsunternehmen begonnen und beendet zu haben.
Dies wird die längste Reise im selben Zug sein, drei Nächte werden wir in unserem Vierbettabteil schlafen. Es geht schon auf Mitternacht zu, als wir die Heimreise antreten. Jetzt haben wir allmählich Heimweh.

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Mittwoch, 28. April

Am nächsten Morgen sind wir immer noch in Kasachstan. Der Zug fährt nicht auf direktem Wege nach Russland, sondern schlägt einige Haken auf einem Umweg auf teilweise nicht elektrifizierten Strecken weiter nördlich, so dass es fast 1000 km bis Zur Grenze sind.
Wir teilen unser Abteil mit einem russischen Geschäftsman aud Tscheljabinsk, der in der Röhrenbranche arbeitet. Mit Skizzen und etwas Wörterbuchhilfe unterhalten wir uns über Technik und Materialien, trotz mangelnder Sprachkenntnisse.
In der Stadt Tobol, die schon recht nahe an der Grenze liegt, wechseln wir zu einer Diesellok und wechseln die Fahrtrichtung. Die nordwärts führende Strecke ist teilweise elektrifiziert, aber offenbar nur für Kohlentransporte zu einem Kraftwerk auf halber Strecke zum nächsten grösseren Knotenpunkt Kustanay. Wir sehen umfangreiche Industriebahnanlagen mit eigenen Elloks von Typen, die mit den Baureihen der Staatsbahn keine Ähnlichkeit hat.
Am Nachmittag erreichen wir die Grenze zu Russland an der Stadt Kaerak. Der Kasachische Zöllner besieht sehr misstrauisch Tills etwas zerschlissenen Pass. Er begutachtet die Kanten uns scheint zu glauben, hier sei etwas Marke Eigenbau zusammengeklebt. Er findet aber nichts und gibt sich schließlich zufrieden. Zwischenzeitlich bittet Bengt die Zöllner zu lächeln und will sie fotografieren, was diese aber überhaupt nicht zu schätzen wissen... Zum Glück löst der Blitz nicht aus, so daß die Zöllner nicht merken, dass wir tatsächlich ein Schnappschuss im Kasten ist - von einem Zöllnern, der unübersehbar nicht fotografiert werden will...
Nach einer Stunde Aufenthalt rollt der Zug weiter, und wir sind unterwegs in die russische Industrie- und Grenzstadt Troicsk.

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Letztes Update: 4. März 2005