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Sonntag, 18. April
Montag, 19. April
Dienstag, 20. April

Sonntag, 18. April

Am usbekischen Grenzposten gehen alle Formalitäten wieder von vorne los, das ist inzwischen schon reine Routine. Zum Glück sehen die Zollformulare alle gleich aus, nur dass sie in verschiedenen Sprachen sind, da können wir einfach alle Angaben kopieren. Das Gepäck wird durchleuchtet, Probleme gibt es keine. So sind wir in Usbekistan angekommen und stehen jetzt an einem Grenzübergang in der Einöde - wir haben nichts für den Weitertransport arrangiert, aber Barbara hat ein Auto in die nächste größere Stadt bestellt, nach Buchara. Da fahren wir gerne mit.
Usbekistan ist ja wirklich auch kein reiches oder demokratisches Land, aber verglichen mit Turkmenistan erscheint uns hier alles relativ gepflegt und frei. Zumindest Gebäude, die benutzt werden, erhalten zumindest ein Minimum an Pflege, aber auch hier sehen wir einiges an aufgegebenen Wohn- und Industriebauten, die verfallen. Trotzdem, im Großen und Ganzen ist alles viel frischer. Es ist schon fast ungewohnt für uns, nicht mehr überall dasselbe Gesicht sehen zu müssen. In der Türkei war es Kemal Atatürk, im Iran Imam Khomeini, in Turkmenistan Saparmurat "Turkmenbaschi" Nijasow, und jetzt? Das eine oder andere Bild des Präsidenten Karimov haben wir an der Grenze wohl gesehen, das war alles.
In Buchara hilft uns der Taxifahrer, Fahrkarten nach Samarkand für den Abend zu kaufen, es ist derselbe Zug, den auch Barbara nehmen wird, aber sie fährt weiter direkt nach Taschkent. Dann sehen wir uns die Stadt an, die eine der ältesten an der antiken Seidenstraße ist. Hier treffen wir sogar Touristen, Usbekistan hat sich für Besucher geöffnet, und Städte wie Buchara oder Samarkand haben vieles zu zeigen aus der Zeit, als sie wichtige Handelsplätze entlang der Seidenstraße waren.
Am späten Nachmittag fahren wir zum Bahnhof, wo man vom Wartesaal aus bequem dem Rangiergeschäft zusehen kann. Leider darf man nicht auf den Bahnsteig, so lange kein Zug zum Einsteigen bereitsteht. Die Bahnlinie ist hier nicht elektrifiziert, wir sehen überwiegend dreiteilige Diesellokeinheiten und große Rangierloks, unter anderem eine sechsachsige Lok mit nur einem Führerstand, die mit einer Maschine ohne Führerstand gekuppelt ist, die aus einer M62 umgebaut worden ist. Dann dürfen wir endlich wieder Zug fahren, nach allen Taxifahrten! Der Zug har denselben Typ in der DDR gebaute Schlafwagen wie der turkmenische Nachtzug, aber was für ein Unterschied... Die Wagen sind gut oder zumindest einigermaßen gewartet.
Kurz vor Mitternacht erreichen wir Marokand, ein Abzweigbahnhof kurz vor Samarkand. Dort beginnt die Elektrifizierung mit 25 kV/50 Hz, und wir wechseln zu elektrischer Traktion.

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Montag, 19. April

Wir fahren elektrisch das letzte Stück nach Samarkand, wo wir gegen halb eins ankommen. Jetzt sehen wir, dass es auch hier Gefangenenwagen gibt, unser Zug hat zwei davon. Wir suchen das Hotel "Lokomotif", das anscheinend eine Art Übernachtungsheim für Eisenbahner ist, aber nach unseren Informationen im Rahmen des verfügbaren Platzes auch andere Gäste aufnimmt. Wir suchen vor dem Bahnhof, ehe wir endlich merken, dass wir innerhalb des eingezäunten Geländes gehen müssen. Wir bekommen doch keinen Platz, also fahren wir mit dem Taxi ins Zentrum, wo wir ein kleines und einfaches, aber sehr schönes und sauberes Hotel finden. Es ist gleich um die Ecke beim Basar der Stadt.
Am nächsten Morgen beim Frühstück merken wir, dass das Hotel offenbar noch nicht richtig fertig ist, manches ist noch provisorisch. Wir erfahren, dass wir der dritte und vierte Gast sind, seit das Hotel eröffnet wurde! Es ist sehr attraktiv gelegen, zwischen mehreren von Samarkands weltberühmten Sehenswürdigkeiten. Hier gibt es mehr Touristen als in Buchara, wieder treffen wir viele Franzosen wie schon früher in Teheran, Esfahan und Buchara. Es gibt viele Souvenirläden, gute Verkäufer haben Fremdsprachen gelernt, die Gebäude kosten Eintritt - hier beginnt sich die Öffnung des Landes für den Tourismus auszuzahlen.
Später fahren wir zurück zum Bahnhof, wo wir uns umhören wollen, wie es um die aus China gelieferte Ellok steht. Wir schauen beim Depot vorbei und fragen uns durch, so weit Tills Russisch es zulässt. Die Lok ist in Taschkent stationiert und wird von dort aus erprobt. Für Fotogenehmigungen im Depot werden wir auch an eine Stelle in Taschkent verwiesen, das kann man offenbar nicht hier vor Ort erteilen. Vom Bahnsteig aus zu fotografieren ist kein Problem, niemanden kümmert es..
Es ist noch viel Zeit bis zur Abfahrt des Zuges nach Taschkent nach Mitternacht, es ist der gleiche Zug wie der, mit dem wir gekommen sind, nur einen Tag später. Wir bleiben am Bahnhof und dessen näherer Umgebung. Der Wartesaal füllt sich immer mehr, je später der Abend wird, und nach und nach wird deutlich, warum so viele junge .Männer um die 18 darunter sind: Es sind Rekruten, die zum Militärdienst eingezogen werden und den Nachtzug nach Taschkent nehmen sollen. Ihre Ausbilder und mehrere Militärangehörige sind schon da, und die Rekruten müssen bereits üben, im Gleichschritt zu marschieren, eine Runde auf den Bahnsteig und zurück zum Wartesaal, was sich etliche Male am Abend wiederholt. Wir sprechen mit einem von ihnen und erfahren unter anderem, dass sie 18 Monate dienen müssen.

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Dienstag, 20. April

Wir fahren über Nacht nach Taschkent, wo wir gegen 7 Uhr ankommen. Weil es am nächsten Tag keinen Zug nach Kasachstan gibt, beschließen wir, uns mit einem Tag in Taschkent zu begnügen, und kaufen Fahrkarten für denselben Abend. Es dauert eine Weile, den Schalter für Auslandsfahrkarten zu finden, der sich in einem ganz anderen Gebäude befindet. Wir erfahren, dass es nur noch Plätze in den Luxusabteilen gibt, die insgesamt etwa 160 Euro kosten, und dass man weder in US-$ noch mit Kreditkarte bezahlen kann. Die größte Banknote in Usbekistan ist der 1000-Sum-Schein, weniger als 1 Euro, und diese sind neu herausgegeben und noch knapp - überwiegend sieht man 500-Sum-Scheine. Das gibt ein dickes Geldscheinbündel, denkt Till, und geht Geld beschaffen.
Der Geldautomat in einer Western Union-Filiale in der Nähe nimmt Tills VISA-Karte nicht an, also gilt es, Dollars zu wechseln. Schließlich bekommt Till ein Bündel mit 1000 (!) Banknoten zu je 100 Sum und den Rest in 500-Sum-Scheinen. Zum Glück ist das Bündel abgezählt mit Stempel und Banderole und braucht nicht neu abgezählt zu werden. Alles in allem bekommt Till 14 cm Geld. Wir erfahren später, dass Führer von Reisegruppen das Geld in großen Säcken spazieren tragen. Kreditkarten werden in einem gewissen Maße an besseren Stellen akzeptiert, sind aber noch nicht so allgemein verbreitet, dass man es wagen kann, sich nur auf sie zu verlassen.
Vom Zug aus haben wir kein Depot gesehen, also fahren wir mit einem Trolleybus in die andere Richtung entlang der Bahn. Wir kommen zu einer kleinen S-Bahn-Station, und als ein Güterzug am Bahnsteig zum Stehen kommt, erfahren wir vom Lokführer, wo das Ellok-Depot liegt. Wir sind dort am Morgen tatsächlich vorbeigefahren, aber weiter südlich, als wir vermutet haben. Wir haben Glück, dass die S-Bahn, die etwas später kommt, dorthin fährt. Die S-Bahn hat eine äußerst rustikale Einrichtung mit Holzbänken ohne Sitzkissen. Wir fahren zu einer S-Bahn-Station mit dem bemerkenswerten Namen "Usbekistan". In Usbekistan kann man also mit der S-Bahn von Taschkent nach Usbekistan fahren... Es ist die eigene Station des Depots.
Der Pförtner sitzt direkt neben dem Bahnsteig, wir erklären unser Anliegen und bitten, mit dem Chef sprechen zu dürfen. Wir werden eingelassen und zum Chefbüro geführt. Auf dem Weg sehen wir, dass die chinesische Lok tatsächlich hier ist! Außer anderen Elloks sehen wir auch einiges an Bahndienstfahrzeugen. Wir erhalten die Genehmigung, die Lok anzusehen und zu fotografieren. Es scheint, man fühlt sich sehr geschmeichelt, dass wir die lange Reise gemacht haben, um Usbekistans Eisenbahnen anzuschauen...
Eine Gruppe chinesische Ingenieure vom Zhouzhou Electric Locomotive Research Institute (ZELRI) im Depot ist für die Inbetriebsetzung der Lok verantwortlich. Till war bei der Arbeit gut ein Jahr vorher an der Ausbildung mehrerer ZELRI-Mitarbeiter beteiligt, allerdings nicht dieser, die hier sind. ZELRI arbeitet sowohl mit Siemens als auch mit Bombardier zusammen; diese Lok hat elektrische Ausrüstung von Siemens. Der Chinese, der am besten Englisch kann, hält gerade eine Siesta, wird aber für uns geweckt. Er ist gerne bereit, uns die Lok zu zeigen und die Technik zu erklären. Wir werden demnächst einen ausführlicheren Artikel über die Lokomotive Online stellen. Nach dem Besuch haben wir noch etwas Zeit, die wir im Büro mit zwei Angestellten des Depots verbringen.
Dann fahren wir zurück zum Hauptbahnhof, um den Zug nach Moskau zu besteigen, den wir bis Qyzylorda in Kasachstan nehmen werden. Der Zug ist gepflegt, der Zugname "Uzbekistan" steht gemalt an den Wagen, und in unseren teuren Zweibettabteilen haben wir feine Bettbezüge und schönes Porzellangeschirr. Bald nach der Abfahrt erreichen wir die Grenze, endlich einmal wieder eine, die wir mit der Bahn überqueren dürfen! Die Passkontrolle geht schnell und unkompliziert, aber die Zollkontrolle ist unerwartet gründlich. Das ist die genaueste Gepäckkontrolle, die wir erlebt haben, wir müssen alles auspacken. Der Zöllner blättert jedes Buch durch und fühlt nach versteckten Fächern im Gepäck. es scheint, dass man in erster Linie nach geschmuggelten Antiquitäten sucht. Er ist jedoch höflich und korrekt und findet nichts, so dass es keine Schwierigkeiten gibt.

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Letztes Update: 9. Mai 2004