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Samstag,
3. April
Sonntag, 4. April
Montag,
5. April
Dienstag, 6. April
Mittwoch,
7. April
Donnerstag, 8. April
Freitag,
9. April
Samstag, 10. April
Sonntag,
11. April
Montag, 12. April
Dienstag,
13. April
Mittwoch, 14. April
Donnerstag,
15. April
In
der Morgendämmerung unseres ersten Tages im Iran fahren wir durch eine karge
Landschaft, und die Gebäude, die wir sehen, sind in der Regel Lehmbauten.
Wir essen ein gutes Frühstück im Speisewagen mit Fladenbrot und Tee.
Es wird später Vormittag, als wir die Verzweigung von der elektrifizierten
Bahnlinie nach Jolfa erreichen, wo die in Schweden gebauten Elloks fahren, basiert
auf der ASEA Rc4.
Mit vier Stunden Verspätung kommen wir am großen
Bahnhof Tabriz an. Die massive Präsenz von Bewachern und schwer bewaffneten
Militärs gibt einen Eindruck davon, welchen Status die Bahn hier hat: Militärisches
Geheimnis!
Im Bahnhof sieht uns ein Eisenbahner und begrüßt uns
auf Französisch. Glücklicherweise hatte Till 5 Jahre Französisch
in der Schule, so dass wir die Hilfe des Eisenbahners in Anspruch nehmen können.
Er heißt Ali Kalili und hat eine leitende Position bei der Eisenbahn in
Tabriz (uns wird nicht ganz klar, welche Position genau er hat). Er ist überwältigend
hilfsbereit und steht uns zur Seite, ein gutes Hotel zu finden, Fahrkarten nach
Jolfa zu kaufen und anderes. Am Nachmittag führt er uns durch die Stadt,
und das macht er völlig gratis - wir müssen ihn noch dazu überreden,
sich von uns zumindest zum Essen einladen zu lassen.
Womit er uns hingegen
nicht helfen kann, sind Genehmigungen zu Führerstandsmitfahrten und Depotbesuchen.
Wir ahnen, das wird schwierig.
Ali ist Veteran des iranisch-irakischen Krieges,
in den er im Alter von 14 Jahren geschickt wurde. Er hatte fünf Schussverletzungen
und war 9 Jahre lang als Kriegsgefangener im Irak. Viele seiner Generation wurden
in diesem Krieg traumatisiert, ähnlich tragische Geschichten hören wir
von mehreren.
Am Abend lädt Ali uns zu sich nach Hause ein, wo wir unter
anderem Musikvideos aus dem Internet mit einigen sehr spärlich bekleideten
Mädchen sehen dürfen. Seine Frau hingegen ist sehr konservativ gekleidet
und hält sich im Hintergrund.
Der Iran ist wirklich ein Land mit vielen
Gegensätzen. Viele Frauen nehmen sich offenbar ihre kleinen Freiheiten, wo
es möglich ist - aber es wird ein langer Weg sein zu etwas, was auch nur
in der Nähe von Chancengleichheit ist.
Es wird eine kurze Nacht, denn
der Zug fährt um6:00 Uhr am nächsten Morgen...
Am
nächsten Morgen verlassen wir unser Hotel (für iranische Verhältnisse
teuer: 40 US-$ für ein Zweibettzimmer) zeitig ohne Frühstück und
gehen durch Schneeschauer zum Bahnhof. Die Wagen stehen am Bahnsteig bereit, aber
die Lok kommt etwas später. Es ist eine der in Schweden gebauten Lokomotiven
für 25 kV/50 Hz, basiert auf der ASEA Rc4 und gebaut Mitte der 70er Jahre.
Die Lok kommt mit einem vierachsigen Heizkesselwagen, was für elektrische
Züge eine recht kuriose Anordnung ist, aber die Wagen haben nur Dampfheizung.
Wir setzen uns in einen der gebrauchten deutschen Liegewagen, die aus den 50er
Jahren stammen müssen, aber wir wissen nichts näheres über sie.
Sie sind etwas zerschlissen, aber recht gemütlich für einen Regionalzug
mit weniger als drei Stunden Fahrzeit.
Die Strecke ist größtenteils
in gutem bis zufrieden stellendem Zustand. Anfangs ist es noch Flachland, aber
die Landschaft wir hügeliger, je länger nach Norden wir kommen. Es fällt
recht viel Schnee, Autos und Busse haben Schwierigkeiten, voranzukommen. Später
sehen wir im Fernsehen, dass es in einigen Gegenden ein großes Verkehrschaos
gegeben hat.
Als wir in Jolfa ankommen, sehen wir, dass der Bahnhof nicht
allzu stark bewacht ist. Das gibt einige schöne iranische Winterbilder. Hinter
der Grenze liegt die aserbaidschanische Exklave Naxchivan. Den früheren Personenverkehr
nach Russland gibt es schon lange nicht mehr, mehrere Grenzen in der Kaukasus-Region
sind unpassierbar. Angaben zufolge soll es lokalen Personenverkehr und Güterverkehr
über die Grenze geben, aber leider gelingt es uns nicht, Einzelheiten herauszufinden.
Mindestens ein Breitspurgleis soll es im Personenbahnhof geben. Ansonsten gibt
es größtenteils stillgelegte Güterumladeanlagen.
Wir verbringen
mehrere Stunden in der Stadt, wo es fast ebenso viele Ladenschilder auf Russisch
wie auf Persisch gibt.
Am frühen Nachmittag beginnen wir die Rückreise
nach Tabriz. Vor der Abfahrt reden wir mit dem Lokführer, der einige Worte
Englisch kann. Wir dürfen kurz auf den Führerstand, aber wir merken,
dass der Lokführer Angst vor Repressalien hat dafür, Außenstehende
hereinzulassen. Wir stellen fest, dass die Warnmeldungstafel eine Meldung mit
dem Wort "Heizkesselwegen" enthält. Wir wollen dem Lokführer
keine Schwierigkeiten bereiten und verlassen den Führerstand schnell wieder.
Jetzt, auf der Rückfahrt, sehen wir die schöne Strecke in gutem Tageslicht,
und auf der kurvigen Bahn haben wir vom Wagen aus eine gute Sicht auf unsere schwedische
"Rc4".
Als wir nach Tabriz kommen, wartet Ali auf uns. Der Nachtzug
nach Teheran ist ausverkauft, aber Ali gelingt es zum Schluss, zwei (offenbar
zurückgegebene) 2.-Klasse-Fahrkarten für uns zu ergattern. Das macht
die finanzielle Belastung für die 736 km lange Reise recht erträglich:
Rund 2,50 Euro pro Person (nein, das Komma ist nicht verrutscht).
Ali stellt
uns Babak Habibi vor, einen Psychometrie-Student aus Teheran, der mit demselben
Zug reisen soll wie wir und der gut Englisch spricht. Da haben wir bei Bedarf
Übersetzungshilfe. Gleichzeitig bekommen wir viele interessante Einblicke
in das Leben im Iran (und umgekehrt).
Ehe es Zeit zum Schlafengehen ist,
machen wir noch Bekanntschaft mit einer Spezialität der iranischen Eisenbahn:
Der Zug legt an einem Bahnhof einen 20minütigen Gebetshalt ein.
Bemerkenswert
finden wir, dass es keine getrennten Abteile für Damen und Herren in iranischen
Nachtzügen gibt, trotz der ansonsten sehr weitreichenden Geschlechtertrennung
im Alltag des Landes.
Am Morgen sind wir noch weit von Teheran, der Zug hat
einiges an Verspätung. Es ist schon fast Mittagszeit, als wir in den repräsentativ
ausgebauten Hauptbahnhof einrollen.
Babak hilft uns, Fahrkarten zu kaufen,
was sich wegen ausverkaufter Züge als nicht ganz einfach erweist. Schließlich
ergattern wir noch Fahrkarten nach Khorramshar am Persischen Golf.
Nach einem
Mittagessen in einem aserbaidschanischen Restaurant, in dem traditionelles Essen
aus Babaks Heimat serviert wird, gehen wir zu einem Verwaltungsgebäude der
Eisenbahn und erkunden die Lage betreffend Fotogenehmigungen und Depotbesuche.
Auf einem großen Foto eines Gemäldes, das an einer Wand hängt,
kann man eine der von Nohab hergestellten Loks in einer Steigung mit braunen und
cremefarbenen Wagen am Haken sehen. Wir werden zu einem internationalen Pressezentrum
verwiesen, das wir am nächsten Morgen besuchen werden.
Wir lassen also
den Nachtzug nach Khorramshar sausen und checken in einem sehr billigen Hotel
gegenüber dem Bahnhof ein. Dusche und WC sind auf dem Flur, und alles ist
sehr einfach, aber das tut's.
Nach einigen Stunden treffen wir wieder Babak,
der mit seiner Freundin gekommen ist und uns ein wenig die Stadt zeigt. Unter
anderem sehen wir einen schönen Park, in dem wir uns etwas vom alptraumhaften
Verkehr erholen können. Der Lonely Planet-Reiseführer hat ohne Zweifel
recht, wenn er schreibt "Wenn Du versuchst, die Straße zu überqueren,
wie Du es von zu Hause gewohnt bist, wirst Du noch am Straßenrand stehen,
wenn Dein Visum ausläuft.
Im Park gibt es eine Rollschuhbahn, auf der
Jugendliche beiderlei Geschlechts sich auf Inlineskates zu lauter westlicher Musik
vergnügen. Sie nehmen sich ihre kleinen Freiheiten, wo sie können...
Am
Morgen fahren wir mit dem Taxi quer durch die Stadt zum internationalen Pressezentrum.
An der angegebenen Adresse weiß man nicht, was man mit uns machen soll,
man telefoniert herum, wir dürfen am Telefon mit jemandem reden, der etwas
besser Englisch spricht als diejenigen, die am Eingang sitzen. Schließlich
scheint es, dass das Pressezentrum zu einer neuen Adresse umgezogen ist.
Neue,
lange Taxifahrt, wir kommen auch an einigen schwer bewachten Regierungsbauten
vorbei. Die neue Adresse erweist sich als die Ausländerbehörde, bei
der man unter anderem seine Visa verlängern lassen kann. Dazu haben wir zum
Glück keinen Bedarf mit unseren 30-Tage-Visa. Wir versuchen es trotzdem und
erklären unser Anliegen einem Englisch sprechenden Bediensteten. Er scheint
nicht recht zu verstehen, wo unser Problem liegt, und behauptet, man dürfe
von allgemeinen Plätzen fotografieren, wo es nicht durch Schilder verboten
ist. Wir schreiben etwas auf Englisch, wie wir die Lage verstanden haben, und
versuchen, ihn dazu zu bewegen, das auf Persisch zu übersetzen und einen
Behördenstempel darauf zu setzen, oder eine Kopie eines Gesetzestextes zu
bekommen. Aber vergeblich...
Die bittere Wirklichkeit im Iran ist wohl die:
Fotografieren von Bahnanlagen ist verboten, Fotogenehmigungen für Eisenbahnfans
werden nicht erteilt, und örtliche Ausnahmen vor Ort gibt es auch nicht,
denn die Soldaten, die Bahnhöfe bewachen, haben selbst Angst. Wenn man nicht
direkt auf einem hohen administrativen Niveau ansetzt, erreicht man nichts.
Wir geben die Bemühungen auf, aber Bengt schaut trotzdem noch im Büro
bei einem Eisenbahner vorbei, den wir am Vorabend auf der Straße getroffen
haben, um vielleicht noch auf diesem Wege etwas zu erreichen. Unterdessen trifft
Till Babak, der uns unter anderem hilft, einige Fahrkarten in einem Reisebüro
zu buchen. Auf dessen Firmenschild können wir einen ICE1-Zug bewundern, dem
jedoch der Stromabnehmer fehlt...
Am frühen Nachmittag besteigen wir
den Nachtzug nach Bandar-e Abbas. Es gibt nur erste Klasse im Zug, so dass wir
uns mit unserem Budget etwas weiter strecken müssen als im Zug von Tabriz
nach Teheran: 9 Euro pro Kopf für 1386 km einfache Fahrt. Es sind auch 6-Bett-Liegewagen,
aber mit Klimaanlage. Das ist auch nötig da unten am Persischen Golf... Die
Wagen haben Herstellerschilder mit dem Firmenzeichen ANF und der Jahrzahl 1980.
Merkwürdig, haben DR oder DB Wagen einer französischen Firma gekauft,
oder sind es DR-Wagen, die in Frankreich umgebaut wurden und Klimaanlage erhalten
haben?
Mit im Zug ist auch ein großer Drehgestellwagen mit drei Dieselaggregaten.
Die Wagen haben zwei "Heizspannungskabel", die wohl eher Kabel für
die Kühlanlage heißen sollten und zwischen allen Wagen gekuppelt sind.
Bengt fotografiert eine Kennzeichnung "3000 V, 800 A" an einem Wagen,
aber die kommt uns etwas unglaublich vor. Die Zuglok ist eine sechsachsige GM-lok.
Schon bald südlich von Teheran beginnt die zentraliranische Wüste, die
einen scharfen Kontrast zu den bis zu 5000 m hohen Gipfeln im Norden zwischen
Teheran und dem Kaspischen Meer bildet.
Mit uns ist eine Familie, Eltern mit
zwei Söhnen, die etwas Englisch sprechen. Es erweist sich, dass der Vater
Lokführer ist! Für ihn gibt es keinen Zweifel, dass die Loks von General
Motors die besten sind. Ein jüngerer Lokführer sagte hingegen, die kürzlich
gelieferten Alstom-Loks seien sehr gute Maschinen.
Auf
dem Weg nach Süden passieren wir zunächst noch recht flache Wüstenlandschaft,
die zur Küste hin bergiger wird. Die recht moderne Bahn passiert die Berge
mit zahlreichen Tunnels und Brücken. Kurz vor dem Endbahnhof Bandar-e Abbas,
dem Endpunkt den europäisch - nahöstlichen Normalspurnetzes, zweigen
die Anschlussbahnen zu den wichtigen Städten der Stadt ab. Dann erreichen
wir den recht kleinen Bahnhof mit großem Empfangsgebäude.
Das sehen
wir vielerorts im Iran: Hier fahren nur ein oder zwei Zugpaare täglich, aber
der Bahnhof hat umfangreiche Einrichtungen. Den größten Teil des Tages
liegt alles verlassen, während um die Zugabfahrten herum großes Gedränge
herrscht.
Wir mieten ein Taxi für ein paar Stunden und suchen zuerst
den "äußersten Prellbock" des Normalspurnetzes. Was wir finden
ist - eine Wendeschleife! Sehr praktisch. Wir fahren weiter in die Stadt. Es ist
eine interessante Volksmischung mit starken arabischen und afrikanischen Einflüssen.
Einige afrikanische Frauen tragen kunstvoll gearbeitete Gesichtsmasken, der ganze
Körper und große Teile des Gesichtes sind verschleiert. Der Basar der
Stadt liegt direkt an der Hormusstraße, die die Grenze zwischen dem Persischen
Golf und dem Indischen Ozean bildet. Schon jetzt an diesem Aprilvormittag ist
es mindestens 30 Grad warm.
Dann fahren wir weiter zum Containerhafen. Das
streng bewachte Tor dort dürfen wir nur mit Genehmigung passieren. Dazu werden
wir zu einem kleinen Haus mit einem Kontrollposten verwiesen, wo wir unser Anliegen
vortragen. Bengt spricht schließlich mit dem sehr netten Sicherheitschef,
der uns die Genehmigung zur Besichtigung der Anlagen erteilt - doch wir müssen
unsere Kameras und Pässe abgeben.
Wir sehen einige Raritäten, unter
anderem einen in Deutschland gebauten sechsachsigen Tiefladewagen, der jetzt anscheinend
nur noch intern im Hafengelände benutzt wird. Dieser Wagen hat seine Puffer
und seinen Zughaken behalten, doch die Schraubenkupplung ist entfernt worden.
Letzteres scheint ein Zeichen zu sein, dass der Wagen nicht mehr dem allgemeinen
Verkehr dient. Der Wagen ist gekuppelt mit einem Wagen mit Seitenpuffern uns SA3-Kupplung
mit einer Schraubenkupplung mit Kuppelbügeln in jedem Ende. Der eine Bügel
passt an ein Horn der SA3-Kupplung.
Auf dem Weg zurück entsteht ein Missverständnis,
als wir einige abgestellte Güterwagen anschauen - Bengt glaubt, es sei nicht
mehr weit zum Bahnhof und will zu Fuß dorthin gehen, während Till mit
dem Taxi weiterfährt. Zum Bahnhof sind es aber mindestens 15 km. So verlieren
wir mangels Mobiltelefonverbindung den Kontakt miteinander und verpassen den Zug
zurück nach Teheran. Wir schlafen in zwei verschiedenen Hotels und finden
erst am nächsten Morgen wieder zueinander.
Nachdem
wir uns wieder getroffen haben, fahren wir allmählich zum Bahnhof, um Fahrkarten
zu erstehen. Das funktioniert so dass uns Bescheid gegeben wird, der Zug sei ausverkauft,
aber wir sollen unsere Pässe abgeben und warten. Nach einer Weile bekommen
wir tatsächlich Fahrkarten. Es scheint zu stimmen, dass es eine Art Reserveplätze
für Touristen gibt.
Ein Iraner, der in Deutschland gewohnt hat und sowohl
einen deutschen als auch einen iranischen Pass hat, wird wütend auf den Fahrkartenverkäufer.
Er zeigt seinen deutschen Pass und will wissen, warum es für ihn keine Fahrkarte
gibt, während wir an allen Schlangen vorbeikommen. Diese Sonderbehandlung
fühlt sich für uns schon fast peinlich an, aber wir nehmen es als einen
Ausdruck der iranischen Gastfreundschaft.
Wir haben noch Zeit bis zur Abfahrt
des Zuges, die wir in der Stadt verbringen. Dann ist es Zeit, nach Teheran zurückzukehren.
Wir freuen uns zu sehen, dass der Deutschiraner schließlich auch noch seine
Fahrkarte bekommen hat und mit im Zug ist. Auch ein US-Amerikaner, der vor vielen
Jahren aus dem Iran ausgewandert ist, ist mit im Zug und kann uns bei Bedarf helfen
zu übersetzen.
Zurück in Teheran ist es Freitag, der islamische
Feiertag. Der Verkehr ist nur geringfügig ruhiger, und viele Lebensmittelläden
sind geöffnet. Zumindest in den größeren Städten ist es kein
Problem, sich freitags mit Reisebedarf zu versorgen.
Wir suchen ein Internetcafé,
aber als wir dort sind, sagt der Taxifahrer etwas von "Polizei" und
zeigt auf ein Auto vor uns. Es ist ein ziviles Auto mit zwei Insassen, von denen
zumindest derjenige, der mit uns spricht, vollständig zivil gekleidet ist.
Er weigert sich außerdem, seinen Dienstausweis vorzuzeigen. Da sich der
Taxifahrer scheinbar sicher ist, dass es sich um echte Polizisten handelt, tun
wir, was man in einer solchen Situation NIE tun soll: Wir zeigen ihm Pässe
und Geld, wie er verlangt. Man soll immer darauf bestehen, so etwas bei der nächsten
Polizeiwache zu machen, falsche Polizisten suchen dann meistens das Weite.
Er behauptet, auf der Suche nach Drogen zu sein, und dass man Drogen bei einem
britischen Touristen gefunden habe. Er hätte uns leicht ausrauben können,
aber wir bekommen alles zurück. Daher und weil der Fahrer zumindest einen
Teil einer Polizeiuniform trug, glauben wir, dass es tatsächlich echte Polizisten
waren, die mal einen Auffrischungskurs nehmen sollten, wie eine korrekte Polizeikontrolle
funktioniert.
Am Nachmittag nehmen wir den Nachtzug nach Khorramshar am Persischen
Golf. Wir fahren zuerst auf der neu gebauten zweigleisigen Bahn südwärts
in Richtung Qom, die wir auch schon nach Bandar-e Abbas benutzt haben. Dann zweigt
unsere Strecke nach Südwesten ab, ehe wir am Hauptbahnhof von Qom halten.
Diese Stadt ist das religiöse Zentrum Irans mit mehreren wichtigen Universitäten.
Hohe Geistliche werden in der Regel hier ausgebildet.
Das drückt sich
darin aus, dass wir recht viele sehr konservativ gekleidete Menschen beiderlei
Geschlechts auf dem Bahnsteig sehen. In einer Gruppe sehen wir einige Frauen,
die fast völlig verhüllende Schleier tragen, was wir nur gelegentlich
bei älteren Frauen gesehen haben. Diese scheinen doch jünger oder mittleren
Alters zu sein, so weit wir beurteilen können.
Auf
dem Weg zum Persischen Golf nähern wir uns dem Irak, der südlich von
Ahvaz in Sichtweite kommt - wir kommen zur Mündung von Euphrat und Tigris,
die hier die Grenze bilden. Mehrere Panzer stehen in der Landschaft, anscheinend
als Mahnmale des iranisch-irakischen Krieges, der in dieser Gegend sehr heftig
wütete. Viele militärische Anlagen zeigen, dass dies eine sehr sensible
Grenze ist.
Ein paar Sekunden bekommen wir sogar Kontakt zu einem Mobilfunknetz,
vermutlich ein Signal aus dem Irak. Sonst zeigen unsere Telefone immer starke
Signale in den iranischen Städten, aber mangels Roaming-Vereinbarungen können
wir die iranischen Netze nicht benutzen, und geeignete Telefonkarten für
Kurzzeitbesuche gibt es nicht. Es würde rund 60 Euro kosten, sich hier anzuschließen.
Wir erreichen Khorramshar, eine Stadt, die scheinbar so langweilig ist, dass sie
im Reiseführer nicht erwähnt wird. Die Region ist die heißeste
im ganzen Iran mit Sommertemperaturen bis zu 50 ºC, aber heute sind es wohl
höchstens 25 ºC. Wir finden keinen Englisch sprechenden Taxifahrer,
aber ein Herr erklärt einem Fahrer für uns, was wir wollen.
Wir
fahren zur Nachbarstadt Abadan, wo der Irak nur 200 m über die Flussmündung
entfernt ist. Es ist erstaunlich wenig Grenzbewachung, an einem kleinen Fischerhafen,
wo wir eine Vesperrast machen, sehen wir einige vereinzelte Soldaten, andernorts
gar keine. Ungehindert können wir den Irak fotografieren.
Wir fahren
weiter nach Bandar-e Imam Khomeini, dem größten Hafen dieser Region.
Es sind 80 km Autofahrt geradeaus über Flachland mit vereinzelten Industrieanlagen.
Am Hafen erwartet uns wieder eine längere Prozedur, um eingelassen zu werden,
und Fotoverbot gilt. Der Hafen ist riesig, vielleicht größer als Bandar-e
Abbas, mit umfangreichem Lastwagenverkehr. Über diesen Hafen werden Mineralien
exportiert, die mit der Bahn angeliefert werden, in anderen Bereichen des Hafens
sind es Container, die teilweise auf der Schiene transportiert werden.
Später
fahren wir weiter zum Personenbahnhof, von dem aus es nur Regionalzüge nach
Ahvaz gibt. Wir erstehen Fahrkarten auch für den Anschlusszug nach Teheran
und steigen ein - jetzt fahren wir dänisch. Frühere DSB-Regionalzugwagen,
jetzt mit Klimaanlage ausgerüstet, sind sehr behaglich für uns, die
wir Sitzplätze haben - einige Reisende müssen stehen.
Der Zug fährt
zu einem Bahnhof am Stadtrand von Ahvaz, von wo aus wir Taxi zum Hauptbahnhof
fahren müssen, um nach Teheran zu kommen.
Dieses Mal fahren wir Luxusklasse
mit Fernseher im Abteil und Mahlzeiten am Platz im Preis inbegriffen. Wir müssen
stolze 10 Euro pro Person bezahlen, obwohl es gerade einmal 816 km sind.
Zurück
in Teheran benutzen wir das Hotel, in dem wir früher gewohnt haben, als Dusche
und Schließfach. Wir merken nicht so viel davon, dass Ostermontag ist, aber
zufällig ist auch im Iran heute ein religiöser Feiertag. Normale Sonntage
sind hingegen Werktage im Iran. Heute ist der Verkehr in der Tat spürbar
ruhiger
Nach der "großen" Investition in die Luxusabteile
brauchen wir Bargeld - ausländische Kreditkarten sind im Iran so gut wie
wertlos. Die offiziellen Wechselstuben sind geschlossen, so dass wir schwarz auf
der Straße wechseln müssen.
Es gelingt uns, die verbleibenden Tage
im Iran mit zwei weiteren schönen Ausflügen zu füllen: Einen nach
Esfahan, das für sein reiches islamisches Kulturerbe berühmt ist. Außerdem
bekommen wir Fahrkarten nach Sari in der Nähe des Kaspischen Meeres. Die
Bahn dorthin durchquert die große Bergkette nördlich von Teheran und
führt durch eine sehr schöne Berglandschaft.
Am Abend nehmen wir
den Nachtzug nach Esfahan, so dass wir ein wenig kulturell sein können, und
in Zukunft nicht mehr allen Iranern erklären müssen: "Nein, wir
waren nicht in Esfahan, wir schauen uns bloß Züge an."
Es
ist noch sehr früh, als wir ankommen, daher warten wir eine Weile im Bahnhof,
bis es dämmert. Es ist weit zur Stadt, und ein Taxifahrer taucht auf, der
einigermaßen Englisch spricht und uns herumfahren wird.
Er heißt
Mohammad und ist mit seinem Studium des Straßen- und Wasserbaus fertig.
Es ist jedoch schwer, im Iran Arbeit zu finden, so dass er sich und seine junge
Frau mit Taxi Fahren versorgt.
Wir sehen unter anderem mehrere der schönen
Brücken über den Fluß Zayandeh Rud und einen schönen Park.
Man merkt, dass die Stadt für iranische Verhältnisse viele Touristen
hat, sie ist fein herausgeputzt und eine Oase im Vergleich zu Teheran. Zum ersten
Mal treffen wir auf westliche Touristen, unter anderem eine Reisegruppe Franzosen
und ein britisches Paar. Die Frau hat als Kind im Iran gelebt und spricht fließend
Persisch.
Wir sehen den großen Meidan-e-Shah, ein Komplex aus Moschee,
Basar und anderen Gebäuden, die einen großen Platz umschließen.
Zum ersten Mal im Iran treffen wir auf richtigen Touristenfallen. Es gelingt uns
doch, nicht mehr zu kaufen als einige Miniaturen, gemalt auf Kamelknochenscheiben.
Hier kann man sogar die ansonsten wertlosen Kreditkarten benutzen, denn viele
Händler haben Direktkontakte ins Ausland. Allerdings werden saftige Gebühren
fällig, daher bezahlen wir bar.
Am späten Nachmittag fahren wir
zurück zum Bahnhof und schauen uns eine nahe liegende Werkstatt an, in der
unter anderem Schotterwagen hergestellt werden. Einige russische Drehgestelle
stehen draußen, frei zugänglich, und Bengt macht einige militärisch
garantiert völlig wertlose Aufnahmen von Teilen, die vollständig im
Ausland hergestellt worden sind. Das Personal wird auf uns aufmerksam, und diesmal
begnügen sie sich tatsächlich nicht damit, nur "No photo"
zu rufen, wie es die Wächter bisher gemacht haben. Sie fahren uns mit einem
Auto zum Bahnhof und übergeben uns dem dortigen Sicherheitspersonal. Einer
spricht etwas Englisch, und Bengt zeigt ihm die Bilder. Er ist zufrieden, als
Bengt die Bilder vor seinen Augen löscht, diese hatten keine besondere Bedeutung
für uns. Russische Drehgestelle gibt es reichlich im Iran und anderswo.
Und dann nehmen wir den Nachtzug zurück nach Teheran.
Wir
kommen sehr früh in Teheran an, und die Stadt ist noch nicht richtig aufgewacht.
Vor dem Bahnhof treffen wir einige sehr freundliche Iraner - leider sind sie rein
physisch nicht zu größerer Hilfe in der Lage, weil sie zu betrunken
sind... Hochprozentiges ist auf dem Schwarzmarkt leicht zu beschaffen.
Einige
Stunden später nehmen wir einen Zug nach Sari, das nordöstlich von Teheran
nicht weit vom Kaspischen Meer liegt. Die Strecke kreuzt die große Bergkette
nördlich von Teheran und muss eine der schönsten des Landes sein.
Am Bahnhof sehen wir einen dänischen Zug mit 1.-Klasse-Sitzwagen, vermutlich
aus den 50er Jahren. An den Wänden in den Seitengängen hängen noch
dänische Eisenbahnkarten von 1985. Die Inneneinrichtung ist ziemlich zerschlissen,
aber man kann die Fenster öffnen, das ist die Hauptsache!
Das Zugbegleitpersonal
organisiert ein Abteil für uns alleine, und los geht's. Kurz nach dem Bahnhof
sehen wir den französischen Turbotrain im Depot. Er soll laut Fahrplan dreimal
in der Woche von Teheran nach Mashhad und zurück fahren.
Wir folgen zunächst
der Strecke nach Mashhad nach Osten, ehe wir nach Norden direkt in Richtung der
Gebirgskette abzweigen. Bald beginnt ein sehr spektakulärer Anstieg von der
Hochebene Teherans auf rund 1000 m Höhe bis auf schätzungsweise 2000
m. Wir durchqueren eine karge Landschaft, die an Arizona erinnert. Geschichtete
Gebirgsformationen, die einmal Meeresboden waren, bilden pittoreske Stufengebirge.
Etwa zwei Stunden dauert der Anstieg mit zahlreichen Tunneln und engen Kurven,
ehe wir den Scheitelpunkt erreichen.
Während der Fahrt bekommen wir Mittagessen
im Zum Buffetwagen umgebauten Wagen serviert.
Nachdem wir den Scheitelpunkt
passiert haben, sehen wir sofort viel dichtere Vegetation entlang der Strecke.
Die feuchte Luft vom Kaspischen Meer macht die Region, in die wir kommen, zur
Kornkammer Irans.
In dieser Höhe ist es jedoch nur Gras- und Buschvegetation
in dieser Höhe, kein Wald, und so hat man eine fantastische Aussicht auf
die Strecke, wenn sie in Serpentinen absteigt. Oft sieht man die Strecke dreimal
weiter unten auf verschiedenen Niveaus, das übertrifft das meiste, was wir
in der Schweiz gesehen haben. Einmal haben wir die linke Seite zum Tal hin, dann
geht es hinein in einen Kehrtunnel und heraus jetzt mit der rechten Seite zum
Tal. Auf diese Bergbahn scheint man im Ausland noch nicht so aufmerksam geworden
sein, sie war uns völlig unbekannt. Eine Charterflugreise zusammen mit einer
Fahrt auf der Gebirgsbahn sollte sich zu einem guten Preis arrangieren lassen.
Der Höhenunterschied hinab zum Kaspischen Meer ist viel größer
als der hinauf, denn wir müssen bis etwa auf den Meeresspiegel hinab - das
Kaspische Meer liegt unter dem Meeresspiegel. Die Rampe ist jetzt viel steiler
als aufwärts, die dänischen Wagen sind wohl in der Heimat nie so hart
gebremst worden. Eine zweite vierachsige Lok wird in der Nähe des Scheitelpunktes
als Vorspann (oder besser Vorbremse?) angekuppelt, um mit ihrer Widerstandsbremse
beim Bremsen zu helfen.
Auch hier gibt es Polizisten auf den Bahnhöfen,
die nervös werden, wenn man Brücken fotografieren will, aber sie lassen
sich beruhigen.
In Sari haben wir mehrere Stunden Zeit, so dass wir ein Taxi
mieten, das uns zum Kaspischen Meer bringen soll. Wir fahren zu zwei Stränden
und einer kleinen Hafenstadt. Dort sehen wir auch ein junges Paar, das sich umarmend
am Strand sitzt - das ist schon zu viel für die Moralregeln dieses Landes...
Zurück nach Teheran fährt dieselbe Garnitur über Nacht. Wir haben
wieder ein Abteil für uns während des größten Teils der Reise,
so dass wir auf den ausgezogenen Sitzen ganz gut schlafen können.
Sehr
früh, gegen 4 Uhr, kommen wir in Teheran an - wir fahren in dasselbe Hotel,
in dem wir auch die erste Nacht in Teheran geschlafen haben, aber es gibt keine
freien Zimmer. Wir können jedoch einige Stunden in ihrem Schlafsaal schlafen
und die Dusche benutzen.
Wir probieren die sehr moderne und gepflegte U-Bahn
aus. Neue Züge sind in China bestellt mit elektrischer Ausrüstung von
Bombardier in Västerås - Tills Abteilung arbeitet zur Zeit daran. Wir
fahren zu einer Station, die überirdisch parallel zur Bahnlinie liegt, so
dass wir sowohl Züge als auch U-Bahnen fotografieren können.
Auf
dem Weg zurück treten wir in ein Fettnäpfchen und steigen aus Versehen
in einen der Frauen vorbehaltenen Wagen ein. Dies ist durch nichts gekennzeichnet.
Es sind nur drei Stationen, und wir wollen diskret an der Tür stehen bleiben,
aber schon an der übernächsten Station beordert uns eine Stationsaufsicht
in den richtigen Wagen. Jetzt müssen wir im Gedränge des morgendlichen
Berufsverkehrs stehen, während in den Frauenwagen noch Plätze frei sind.
Eigentlich wollten wir auch den französischen Turbotrain an der Strecke an
einem schönen Fotostandpunkt etwas außerhalb des Hauptbahnhofs ablichten,
aber er scheint heute nicht zu fahren, obwohl er im Fahrplan steht.
Während
des Tages erfahren wir, dass wir unsere Reisepläne weiter nach Turkmenistan
ändern müssen. Unser Zentralasien-Spezialist David Berghoff, ein Deutscher
in Almaty in Kasachstan, teilt uns mit, dass der Fahrplan des Zuges von Seraghs
an der Grenze zum Iran in Turkmenistans Hauptstadt Aschgabat sich wieder geändert
hat, so dass der Zug jetzt Freitag und Montag morgens statt abends verkehrt. Außerdem
soll der Zug für Ölarbeiter ausgebucht sein, aber die Fahrkartenfrage
löst sich später. Wegen der eingeschränkten Öffnungszeiten
des Grenzübergangs können wir nicht den Nachmittagszug von Mashhad zur
iranischen Grenzstadt Sarakhs nehmen, ohne dort zu übernachten, weil die
Grenze dann schon geschlossen ist - und wenn man die Grenze morgens überquert,
erreicht man den Morgenzug nach Aschgabat am selben Tag nicht mehr.
Wir treffen
unseren Freund Babak ein letztes Mal, ehe wir den Iran verlassen. Am Abend nehmen
wir nach Mashhad den luxuriösesten Zug Irans nehmen, den "Simorgh",
nach einem Vogel benannt. Wie jedes Mal, wenn wir von Teheran abgefahren sind,
müssen wir auch jetzt unsere Pässe für eine Visumkontrolle bei
der Polizei vorweisen - wir sind schon Stammgäste in der kleinen Polizeiwache
neben den Sperren an den Zugängen zu den Bahnsteigen. Die Polizisten waren
doch immer höflich und korrekt.
Der Zug ist noch etwas besser als der,
den wir von Ahvaz nach Teheran hatten. Das Personal trägt besondere Uniformen,
und der Name des Zuges steht auf Würfelzucker, Salztütchen und vielem
anderem.
Über das Fernsehprogramm an Bord schreiben wir besser nicht
so viel, das schlimmste ist, dass die Lautstärkeregelung nicht richtig funktioniert
und einer unserer Abteilgenossen sehr interessiert zuschaut... Im Laufe des Abends
werden sicher das eine oder andere Dutzend Leute auf dem Bildschirm getötet.
Vielleicht erlaubt die Regierung solche Filme im Iran, damit man sieht, was für
Idioten die Amerikaner sein müssen, die solchen Mist von Filmen machen?
Am frühen Morgen macht der Zug einen Gebetshalt in
Neyshabur - der Stadt, die am 19. Februar traurige Berühmtheit erlangt hat,
als einige Kilometer östlich der Stadt ein Güterzug explodierte. Der
Unglücksplatz, den wir einige Minuten nach der Weiterfahrt in langsamer Fahrt
passieren, ist im Großen und Ganzen gut aufgeräumt. Trotzdem bekommt
man einen Eindruck davon, wie verheerend die Explosion gewesen sein muss. Einige
ausgetauschte Schienen und Schwellen sind zu sehen, außerdem zwei ausgebrannte
Planierraupen und einige Radsätze.
Etwas später kommen wir in Mashhad
an. Dort sehen wir mehrere Güterwagen mit Brandschäden.
Weil wir
am Nachmittag unsere Führerin auf der turkmenischen Seite der Grenze treffen
müssen, haben wir nicht allzu viel Zeit, aber wir machen einen Rundgang um
das Bahngelände herum. Die Stadtpläne sind widersprüchlich in der
Frage, ob es dort eine Wendeschleife oder ein Gleisdreieck gibt, und leider ist
das ganze Gelände von einer hohen Mauer umgeben. Auf jeden Fall wagen wir
zu behaupten, dass es eine Wendeschleife ist.
Wir nehmen ein Taxi nach Sarakhs
an der turkmenischen Grenze, ca. 180 km entfernt. Angaben zufolge fuhr der internationale
Reisezug von Teheran nach Almaty nur ein einziges Mal hin und zurück und
war ein Fiasko - in Usbekistan wurde der Zug offenbar mit Steinen beworfen. Uns
wurde berichtet, sämtliche Fenster des Zuges seien in Usbekistan eingeworfen
worden, aber nicht, warum.
Auf dem Weg sehen wir vom Taxi aus einen Güterzug
- manchmal muss man eben Glück haben! Nur von einigen kürzeren Teilstücken
der Straße aus sieht man die Bahnlinie.
Kurz vor Sarakhs sehen wir den
Grenzbahnhof mit der Umspuranlage. Man kann nicht hinein, aber wir fotografieren
aus einiger Entfernung.
Der Taxifahrer setzt uns am iranischen Grenzposten
ab, der recht modern und gepflegt aussieht. In der Zollhalle kommen wir zu einem
Schalter, an dem wir unsere Pässe abgeben. Wir werden nach Zollformularen
gefragt, aber wir haben bei der Einreise keine bekommen. Schließlich gibt
sich der Beamte ohne Formular zufrieden, wir brauchen auch keine neuen auszufüllen,
und unser Gepäck wird auch nicht kontrolliert.
Eine Weile scheint nichts
zu passieren, vielleicht müssen sie in Teheran anrufen und fragen, was Schweden
für ein Land ist... Hier queren überwiegend Lastwagen die Grenze, davon
etwa die Hälfte Volvo-LKWs, wir als europäische Rucksacktouristen sind
wohl recht exotisch.
Nach etwa einer Stunde bekommen wir unsere Pässe
mit Ausreisestempel zurück, und wir werden zu einem uralten zerschlissenen
russischen Bus geführt, der uns zum turkmenischen Posten bringt. Im Antriebsstrang
und der Motoraufhängung ist vieles locker und hat unglaubliches Spiel, was
beim Anfahren zu einem mittleren Erdbeben führt. Ein paar hundert Meter fahren
wir zu einem Bach mit einer kleinen Stahlbrücke - der Bach ist die Grenzlinie,
auf der einen Seite steht ein iransicher Wächter, auf der anderen Seite ein
turkmenischer. Der Busfahrer lässt uns auf der turkmenischen Seite der Brücke
aussteigen, und wir stehen auf turkmenischem Boden!