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28. März
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Mittwoch, 31. März
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1. April
Freitag, 2. April
Samstag,
3. April
Die Reise in den Iran führte uns Schweden durch Dänemark, Deutschland, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und die Türkei. Wir machten keine längeren Aufenthalte, als durch den Fahrplan vorgegeben war, hier ist die Route:
| Datum | Bahnhof | Ankuft | Abfahrt | Zugnummer |
| 28. März 2004 | Stockholm C | 10:20 | X2000 529 | |
| København H | 15:23 | 18:54 | EN 483 | |
| 29. März 2004 | München Hbf | 9:03 | 9:26 | EC 63 |
| Budapest Keleti-Pu | 16:58 | 18:10 | EN 371 | |
| 30. März 2004 | Bucuresti Nord Gr. A | 8:25 | 14:00 | Schnellzug 499 |
| 31. März 2004 | Istanbul Sirkeci | 8:27 | ||
| Istanbul Haydarpasa | 22:55 | Exp 11511/11512 Transasya Express | ||
| 2. April 2004 | Tatvan Hafen | 11:44 | 13:00 | Fähre |
| Van Hafen | 17:00 | 18:25 | Exp 11512/59 Transasya Express | |
| 3. April 2004 | Tabriz | 6:30 |
Endlich geht es los! Bengt fährt ab Stockholm, Till ab Västerås und steigt in Norrköping zu. Über Malmö und die Öresundbrücke geht die Reise nach Kopenhagen. Dort nutzen wir die Gelegenheit, die kürzlich verlängerte Strecke der Metro Probe zu fahren, ehe wir den Nachtzug nach München besteigen. Wir haben ein bequemes Schlafwagenabteil für uns alleine und schlafen gut auf dem Weg gen Süden.
In München haben wir nicht lange Aufenthalt und steigen
in einen EuroCity direkt nach Budapest um. Es sind bequeme österreichische
Sitzwagen und ein ungarischer Speisewagen, nur leider kann man die Fenster nicht
zum Fotografieren öffnen... Während der Reise bekommen wir unter anderem
Reisegesellschaft aus Israel. In Österreich liegt einiges an Schnee längs
unserer Reiseroute. Das Essen im Speisewagen erweist sich als ausgezeichnet und
nicht allzu teuer.
In Budapest kaufen wir Fahrkarten für die Weiterreise
nach Bukarest, die recht teuer sind (ca. 75 Euro pro Person). Bengt unterhält
sich mit dem Lokführer des Nachtzuges, Bela, der etwas Englisch spricht und
uns auf der Lok vom Typ V43 bis Szolnok mitfahren lässt (wir setzen hier
mal Voraus, dass sein Chef unsere Homepage nicht liest). Es wird eine sehr angenehme,
wenn auch holperige Reise. Trotz guter Gleislage und gemächlichen 100 km/h
benimmt sich die Lok wie ein Galopppferd.. Es ist eine von 60 Loks, die ein modifiziertes
Federungssystem mit unter anderem Gummielementen und Gierdämpfern etc. erhalten
hat, was vielleicht aus einem Foto ersichtlich ist.
Nach Szolnok gehen wir
zurück in unseren Schlafwagen, den die Rumänische Eisenbahn CFR gebraucht
aus Deutschland gekauft hat. Beim Lokwechsel an der rumänischen Grenze bekommen
wir eine in schwedischer ASEA-Lizenz gebaute Lok, was auch auf einem Schild an
der Seite der Lok angegeben ist. Das ist gleich ein Gefühl wie zu Hause für
uns als deutsch-schwedische Reisegesellschaft... Bald nach der kurzen Grenzkontrolle
schlummern wir ein.
Während der Nacht hat der Zug die Fahrtrichtung
gewechselt und eine neue Lok bekommen, auch diese vom ASEA-Typ. Aber auf dieser
Lok steht nichts von der Lizenzherstellung. Vermutlich braucht der Lizenznehmer
nach einer gewissen Anzahl hergestellter Lokomotiven oder nach einer gewissen
Zeit keine Lizenzgebühren mehr zu bezahlen. Dieser Loktyp ist in etwa 1000
Exemplaren gebaut worden.
Am Morgen kommen wir nach Bukarest, wo wir zuerst
unsere Fahrkarten weiter nach Istanbul kaufen. Das macht 1 346 000 Lei pro Person,
was in Euros nicht ganz so schlimm aussieht: Etwa 33 Euro. Leute, die uns Hotelzimmer
oder Stadtrundfahrten verkaufen wollen, sind recht aufdringlich, aber das muss
man aushalten.
Wir testen die U-Bahn, wo auf der Linie M2 neue Wagen mit Elektroausrüstung
aus Schweden verkehren. Nicht irgendwo aus Schweden, sondern aus der Abteilung
bei Bombardier Transportation, in der Till arbeitet.
Am frühen Nachmittag
besteigen wir den Bosphor-Express nach Istanbul. Es gibt ein freies Abteil in
einem rumänischen Schlafwagen, so dass wir unsere reservierten Liegeplätze
gegen etwas Komfortableres eintauschen.
Der Zug ist kurz, aber sehr international:
Ein moldawischer Schlafwagen (mit Steinkohleofen!) kommt aus Chisinau, ein ungarischer
Wagen aus Budapest, und die türkische TCDD und die rumänische CFR tragen
mit weiteren Sitz-, Schlaf- und Liegewagen Bukarest - Istanbul bei. Später
kommen noch zwei bulgarische Wagen dazu.
Der vorbildliche Service des tadellos
Englisch sprechenden Wagenbetreuers steht in scharfem Kontrast zum etwas zerschlissenen
Zustand der Wagen und dem beklagenswerten Speisen- und Getränkeangebot. Einen
Speisewagen sucht man vergeblich. Aber es ist kein Problem.
Den Zug zieht
eine sechsachsige rumänische Diesellok mit Drehgestellen vom gleichen Typ
wie die in Lizenz von SLM, Sulzer und der schweizerischen BBC gebauten 2200 PS
starken Dieselloks. Die Lok hat neue Führerstände und vermutlich auch
ansonsten einen völlig neuen Kasten. Innen befindet sich jetzt ein EMD V8-Motor,
vermutlich vom Typ 710.
Wir erreichen den rumänischen Grenzbahnhof, wo
wir eine bulgarische Diesellok bekommen. Sie ist aus sowjetischer Produktion,
BDZ Typ 07 oder 7 (die als "Ludmilla" in Deutschland bekannt geworden
ist, dort unter anderem als Baureihen 232 och 234). Diese Lok zieht uns über
die imposante, aber zerschlissene Donaubrücke. Der Rost wird von Hand mit
Hacken (!!) von der Brücke abgeschlagen, ehe sie gestrichen wird.
Die
Brücke ist teilweise doppelstöckig mit der Landstraße oben. Schon
auf der bulgarischen Grenzstation wechseln wir erneut die Lok, diesmal zu einer
von Skoda gebauten bulgarischen Ellok. Warum die rumänische Diesellok uns
nicht bis in den bulgarischen Grenzbahnhof ziehen durfte verbleibt ein Rätsel...
Wir setzen unsere Reise gen Süden fort und bekommen zwei bulgarische Kurswagen
Sofia - Istanbul angehängt. Die ersten Frühlingszeichen sind zu sehen.
Die Landschaft wird hügeliger schöner, aber leider beginnt es, dunkel
zu werden. Die Nacht wird einige Male unterbrochen werden, das sehen wir am Fahrplan
- die Zeiten für die Grenzkontrollen and der türkischen Grenze sind
nicht die angenehmsten.
Gegen halb Zwei werden wir von der bulgarischen
Passkontrolle in Svilengrad geweckt. Die Kontrollen sind immer noch recht oberflächlich,
zumindest für uns, aber die Grenzaufenthalte werden länger. Jetzt ist
es fast eine Stunde. Auf der türkischen Seite in Kapikule kommt erst einer
durch den Zug, der sieht, ob alle etwas haben, was wie ein Pass aussieht, ohne
so genau hinzusehen. Wenige Minuten später kommt noch einer, der die Pässe
genau anschaut und die Nummern notiert. Dann müssen alle Fahrgäste aussteigen
und zur Passkontrolle im Bahnhofsgebäude gehen, wo man seinen Stempel bekommt.
Man kann auch einen nächtlichen zollfreien Einkauf machen. Später geht
noch einer durch den Zug, der kontrolliert, ob alle ihre Stempel bekommen haben,
und zum Schluss der Zoll.
Weiter geht die Fahrt durch die europäische
Türkei, gezogen von einer dem schwedischen Typ Rb ähnlichen Lok. Diese
wurde von Koncar im früheren Jugoslawien mit einer Thyristorausrüstung
modernisiert, die dem schwedischen ASEA-Vorbild ähnelt. Schließlich
erreichen wir das Marmarameer und Istanbuls Sirkeci-Bahnhof. Einst fuhr von hier
der luxuriöse Orient-Express ab, aber die Zeiten für transkontinentale
Züge in Europa sind wohl leider vorbei.
Ein Cousin von einem von Tills
Kollegen holt uns am Bahnhof ab. Er heißt Ertugrul und arbeitet als Fernsehreporter.
Er hat unsere Fahrkarten nach Tabriz im Iran gekauft und Informationen über
Istanbul und unsere Fahrtstrecke zusammengestellt. Er ist mit Chauffeur gekommen
und lädt uns zum Frühstück in ein Restaurant mit Aussicht über
das Marmarameer ein. Später fahren wir über die imposante Bosporusbrücke
zur asiatischen Seite von Istanbul und zum Haydarpasa-Bahnhof. Da bekommen wir
gleichzeitig eine schöne Stadtrundfahrt und viele Tipps.
In Istanbul
erkunden wir unter anderem das Fährkai für die Eisenbahnfähre über
den Bosporus. Als wir später den interkontinentalen Stadtverkehr ausprobieren
(die Fähre über den Bosporus), begegnen wir einer mit Güterwagen
beladenen Fähre.
Am späten Abend fährt unser Nachtzug "Trans
Asya Ekspressi" nach Teheran ab. Es sind eigentlich zwei Nachtzüge auf
jeder Seite des Vansees in der östlichen Türkei mit einer Fähre
dazwischen. Wir werden zwei Nächte im türkischen Zug zum Fährhafen
Tatvan verbringen und besteigen den recht modernen 1.-Klasse-Liegewagen. Es sind
vier Betten im Abteil, das wir für uns alleine haben. Die Wagen sind auf
ihre Weise multikulturell, sie haben je eine europäische Sitztoilette an
einem Ende und eine Hocktoilette ("Loch im Boden") am anderen Ende.
Till spricht mit dem Lokführer und darf auf dem Führerstand mitkommen.
Es herrscht prächtige Stimmung mit türkischer Musik und Tee, während
wir durch die Nacht gen Ankara rauschen. Der bulgarischstämmige Lokführer
spricht kein englisch und kaum Deutsch, aber Russisch, so dass sich Tills Russischkurs
an der Volkshochschule schon ausgezahlt hat. Die Lok mit der Achsfolge Bo'Bo'Bo'
ist in der Türkei gebaut, aber wahrscheinlich ist es eine japanische Konstruktion,
die in der Türkei weitergebaut wird.
Am nächsten Morgen sind wir in Ankara angekommen,
wo wir von elektrischer auf Dieseltraktion wechseln. Die Landschaft wird karger
und hügeliger. Es geht langsam, die Durchschnittsgeschwindigkeit auf der
Gesamtstrecke siegt nur bei etwa 50 km/h.
Am Abend bekommt Till nochmals die
Möglichkeit, nach Sivas auf dem Führerstand mitzufahren, wo eine beachtliche
Passstrecke wartet. Die Lok muss in der langen Steigung von oft 15 Promille hart
arbeiten. Währenddessen gibt es Abendbrot auf dem Führerstand mit reichlich
Tee und Fladenbrot. Das Lokpersonal kann einige wenige Worte Deutsch, ansonsten
geschieht die Unterhaltung mit Händen, Füssen und Skizzen.
Kurz nach Mitternacht steigt Jean-Claude, ein Kanadier,
in unser Abteil. Er reist auf dem Landweg nach Pakistan und Indien
Am nächsten
Morgen sind wir unterwegs durch oft schweres Gelände entlang eines Flusses
mit Frühjahrshochwasser, jetzt, wo in den Bergen Schneeschmelze ist. An einer
Stelle sehen wir alte Wracks von mehreren Eisenbahnwagen im Fluss. Das Wetter
verschlechtert sich, es regnet, später geht es in Schnee über. Wir sehen
immer mehr bewaffnete Polizisten und Soldaten, vermutlich weil wir in Gebieten
mit einem hohen Anteil kurdischer Bevölkerung sind.
Mit rund drei Stunden
Verspätung erreichen wir die Hafenstadt Tatvan. Der Zug wird mehrere Kilometer
zum Hafen zurückgeschoben, wo die Fähre wartet. Da es heute eine Straße
am Seeufer entlang gibt, nehmen fast nur noch Güterwagen und Bahnreisende
Richtung Iran die Fähre. Auch ein Gepäckwagen unseres Zuges wird verladen,
aber keine Passagierwagen. Wir müssen umsteigen und uns unter Deck auf der
Fähre zusammendrängen. Mit einigen zusätzlichen losen Plastikstühlen
geht es gut.
Während der vier Stunden langen Überfahrt fast ausschließlich
mit Iranern an Bord lernen wir schon viel von der iranischen Gastfreundschaft
kennen. Wir werden von den Iranern an unserem Tisch zum Vesper eingeladen und
erfahren viel Interessantes aus ihrem Leben. Bengt , der früher zumindest
schon von einer Religion namens Bahai gehört hat, erfährt, dass wahrscheinlich
die meisten Iraner an Bord Bahaier sind. In Kayseri, Türkei, leben etwa 2000
Bahaier. Im Iran sind ihnen staatliche Arbeitsplätze verwehrt, ebenso die
höheren Ausbildungen. Sie haben eine eigene Homepage: www.bahai.com
In
Van an der Ostseite des Sees wartet ein iranischer Zug auf uns. Zu unserer Überraschung
sind es gebrauchte russische Schlafwagen (in der DDR gebaut) und ein prachtvoller
iranischer Speisewagen. Das ist fast ein Gefühl wie auf der Transsibirischen
Eisenbahn...
Direkt am Bahnhof Van beginnt eine sehr starke und kurvige Steigung,
und es herrscht Nieselregen. Interessant, weshalb Bengt die Weiterfahrt aufmerksam
verfolgt. Die Geschwindigkeit ist etwa 15 km/h. Einige Male sind Funken von schleudernden
Rädern zu sehen, aber der Schleuderschutz der Lok arbeitet offenbar zufrieden
stellend. Aber einmal beginnt besonders starkes Funkenfeuer, und der Zug hält,
ist aber nicht gebremst. Nach einer Weile beginnt er wieder sehr langsam zu rollen,
mit dem Dieselmotor fast im Leerlauf. So geht es eine Weile weiter, bis es wieder
starkes Funkenfeuer um die Räder gibt, der Dieselmotor stehen bleibt und
sogar die Lichter der Lok erlöschen. Nach einer Weile ist der Dieselmotor
wieder in Gang, aber der Zug bleibt etwa eine Stunde stehen, bis eine Schiebelok
aus Van eintrifft. Danach geht es mit guter Fahrt bis zur Grenzen. Die Loks sind
23 318 und 264 und sind in der Türkei gebaut, mit Pielstick Dieselmotor und
elektrischer Ausrüstung von Alstom.
Mitten in der Nacht erreichen wir den türkischen
Grenzbahnhof Kapikoy. Alle müssen aussteigen und ihre Pässe an einem
Schalter abgeben. Mangels Passleser sitzen zwei Beamte dort und tippen Passnummern
in Computer ein. Währenddessen kann man in einem kleinen Laden einkaufen
oder Tischtennis spielen. Nachdem die Pässe nach fast einer Stunde zurückgegeben
werden, kann der Zug zur iranischen Seite weiterfahren.
Viele Iraner müssen
alle ihre Einkäufe dem iranischen Zoll vorweisen. Fernsehapparate und vieles
anders wird untersucht. Unserem Gepäck widmet der Zoll dagegen nur einen
müden Blick. Der Zug wird von einer sechsachsigen General Motors (GM)-Lok
gezogen und kommt gut voran.