Zusammenfassung:


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Physikotheologie - Aspekte der Bildkunst nach der Reformation
Die Renaissance zeigte ein starkes Intresse für die Natur, das Folgen auch fiir die Theologie und die lkonographic bekam. In der theologischen Literatur des 16. und 17. jahrhunderts sprach man vom Liber naturae. Das Buch der Natur galt bei vielen Theologen und anderen Gelehrten j ener Zeit als cine sichere Quelle der Offenbarung. Deutliche Beispiele hierfiir finden sich besonders gegen Ende des 16. Jhs., wo man die Auslegungen der Kirchenväter zu den sechs Schöpfungstagen, die sog. Hexaemeron-Literatur, wieder hervorholte. Diese alten Texte bildeten die Unterlage einer religiösen Naturbetrachtung im Zeichen cines neuen Bilddenkens, der sog. Physikotheologie (diese wurde im 18. jh. dogmatisch entwickelt, u.a. in Hamburg durch Johann Albert Fabricius). Die Betrachtung der Offenbarung Gottes in der Natur hat die Tendenz, uns aus dem Kirchenraum wegzulocken. Die Natur ist das Werk des höchsten Kiinstlers. Gemälde und Skulpturen sind dagegen von Menschen geschaffen. Beispiel: cm Gemälde, das uns die Natur als wichtiger denn den Kirchenraum schen lässt, ist die »Predigt des Täufers Johannes im Wald« von Joachim Vtewael von 1618 im Kopenhagener Statens Museum for Kunst. Hier manifestiert sich die Einheit des damaligen Naturinteresses und des theologisch-mythologischen Denkens. Naturwissenschaftliche Arbeiten jener Zeit sind oft vorzäglich illustriert. Der Calvinismus, der den sakralen Gebrauch der Bilder ablehnte, diirfte indirekt den Gebrauch von Naturmotiven verstärkt haben, indem er die Abbildung der sichtbaren Welt, dessen »was wir mit unseren Augen tassen können« (Calvin, Inst. I: 12), legitimierte. Beispiel: das Tierbuch des Ziiricher Stadtarztes und Naturforschers Conrad Gessner (1516-65), der von der natiirlichen Theologie Huldrych Zwinglis becinflusst war. Der reformierte Theologe Theodor Beza war Gessners Freund; Beza legte grossen Wert auf die Beschreibung und Abbildung von Pflanzen. Die Abbildungen der naturwissenschaftlichen Werke wanderten in der 2. H. 16. Jhs. in die Andachtsliteratur hin£iber, wo sie pädagogischen Absichten dienen sollten. Indem der Betrachter die Eigenschaften ciner Pflanze, ihren Bau und ihre Farbe, aber auch ihren Namen und ihre Nutzanwendung kennen lernte, konnte er sich in die Eigenschaften Gottes vertiefen. Das geschah zur gleichen Zeit, in der die Emblematik ihren Einzug in die Andachtsliteratur hielt; diese Emblematik arbeitete oft mit Beispielen und Bildern aus der Tier- und Pflanzenwelt. Das Interesse der Renaissance fair die Natur gab sich nicht zum mindesten in der Gartenkultur zu erkennen. Die Gartenarchitektur gehörte damals zu den wichtigsten Kunstarten, nicht ohne theologische Motivierung. Die Idee des Gartens Eden steckte hinter manchen Gartenanlagen. Hans Rasmusson Block, Horticultura Danica, Kopenhagen 1647 hielt die Gartenkunst fiir ebenso wichtig wie, wenn nicht får wichtiger als die Palast-, ja sogar die Kirchenbaukunst. Die neuen grossen Schlossgärten imponierten den Besuchern und liessen sie an das wahre Paradies denken. In der Zeit des Königs Christian IV. verbreiteten sich die physikotheologischen Schriften auch in Dänemark. Man iibersetzte Johann Arndts Biicher vom wahren Christentum ins Dänische; das vierte Buch heisst: Liber naturae. Ausgesprochene Pflanzensymbolik physikotheologischer Art findet sich in der Hortulus animae-Literatur, z.B. bei Johan Pomarius, dessen Christlicher vnd ehrliebender Frewchen vndjungfrawen Lustgertlein, 1586, 1601 ins Dänische iibersetzt wurde. Pomarius vereinigte Luthers positive Beurteilung der Bilder mit der Physikotheologie und der Emblematik. Mit Hilfe der Pflanzen- symbolik machte er zentrale Glaubenssätze, etwa die Lehre von der Dreifaltigkeit, anschaulich. Der Grund der ganzen Physikotheologie ist Gottes Offenbarung in der Schöpfung (Röm. 1:20). In der ganzen Natur, sowohl in den grossen Zusammenhängen wie in den kleinen unanschnllchen Dingen, erscheinen Analogien der Dreifaltigkeit. Das karm man z.B. an den Stiefmiltterchen schen. Ist das nun eine typisch lutherische lkonographie? Die Lutheraner wollten den religiösen und pädagogischen Gebrauch der Bilder festhalten. Da Dreifaltigkeitsbilder mit menschlichen Figuren angegriffen werden konnten, versuchte man es mit neuen Formen - immer noch nach mittelalterlichem Brauch - die als Naturmotive auch von reformierter Scite gutgeheissen werden konnten.